Schüsselerlebnis

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Echte Fussballfans

Text: Annette Siemer
Foto: Ali Altschaffel

Eine bunte, vielfältige und tolerante Fankultur – dafür steht das Wolfsburger Fanprojekt. Jugendliche treffen hier nicht nur Gleichgesinnte, sondern erfahren auch die nötige Unterstützung, damit sich Fankultur im allerbesten Sinne entfalten kann. Rund 60 aktive Fans versammelt das städtische Projekt derzeit.

Alles im Blick: Die Sozialpädagogen Christian Zomack und Christian Radatus vor einem Spiel

 
Ein Fußballspiel ohne Fans? Da wäre die Stimmung im Stadion ungefähr so emotionsgeladen wie ein Golfturnier. Es würde gähnende Langeweile herrschen – wie 2012, als die Fans in den deutschen Stadien in den ersten zwölf Minuten zum Stimmungsboykott aufriefen.

„Das ist schon merkwürdig, wenn die Kurve nicht mehr singt“, sagt der Sozialpädagoge Christian Radatus, verantwortlicher Mitarbeiter des städtischen Fanprojekts. „Ohne Fans geht es nicht. Aber sie sollen ihre Leidenschaft friedlich ausleben.“ Daran arbeitet das Fanprojekt seit 1997.

Oft sind es die gewaltbereiten Fans, die das öffentliche Meinungsbild beherrschen. Aber die stehen hierbei nicht im Fokus. „Wir wollen erreichen, dass Jugendliche ihre Fußballidentität positiv ausleben“, unterstreicht Harry Guta, Gründer und Fachverantwortlicher des Fanprojekts. Deshalb setzen die Mitarbeiter vor allem auf Prävention und mischen überall dort mit, wo es um die Belange der Fans geht. Dabei hilft ein Netzwerk an Partnern, insbesondere die Fanbeauftragten des VfL.

»Ohne Fans geht es nicht.«

Das Fanprojekt ist Sprachrohr und Übersetzer, zum Beispiel in Bezug auf die Polizei. Es trägt zur Entspannung bei, bevor etwas passiert, und unterstützt die Fans bei der Klärung aller Fragen, die es mit dem VfL zu regeln gilt. „Wenn ein 16-Jähriger mit dem VfL-Geschäftsführer eine Diskussion führt, dann ist das eine Erfahrung, von der er das ganze Leben profitiert“, sagt Guta.

Fans brauchen die Gruppe, und um die geht es auch bei dem Projekt. Einmal die Woche ist Fan-Stammtisch, dann wird gemeinsam gekocht. Alle zwei Wochen kicken die Jugendlichen in der Soccafive-Arena und einmal im Jahr geht’s nach Berlin, zum Turnier gegen andere Fans. Außerdem werden für die unter 18-Jährigen Busse zu den Auswärtsspielen organisiert.

„Da sind noch viele Schätze, die wir heben können.“ Damit meint Harry Guta das kreative Potenzial, das in den Fans schlummert. Wer die beeindruckende Choreografie beim Spiel Wolfsburg gegen Braunschweig gesehen hat, weiß, wovon er spricht. „Schade nur, dass sie verloren haben.“