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Auf der Seite der Kinder

Text: Annette Siemer
Foto: Ali Altschaffel

Sie entscheiden über den Schulwechsel, unterschreiben die OP-Einwilligung und diskutieren mit einer Pubertierenden über Sinn und Unsinn eines Nasen-Piercings.

Die Amtsvormunde Katrin Schliemann, Ronald Ahr und Yannick Klaffehn sind immer im Einsatz

 
Katrin Schliemann, Yannick Klaffehn und Ronald Ahr haben viele Kinder – wenn auch keine leiblichen. Sie tun, was „normale“ Eltern für ihre Kinder auch tun würden: sich um das Wohl ihrer Schützlinge kümmern. Als Vormund sind sie zur Stelle, wenn Eltern genau das nicht mehr leisten können.

Gewalt, Drogen, Krankheit – die Gründe, warum Eltern das hohe Gut des Sorgerechts ganz oder teilweise entzogen wird, sind unterschiedlich. Doch bis das Jugendamt die Notbremse zieht und einen Amtsvormund einsetzt, muss viel passiert und jegliche Hilfe nutzlos gewesen sein.

Etwa 40 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0 und 18 Jahren betreut jeder der drei. „Natürlich können wir nicht den kompletten Elternpart übernehmen“, sagt Katrin Schliemann, „aber wir sind zuständig für die Förderung und Pflege der Kinder, und wir stehen ganz auf ihrer Seite.“ Anträge, Kindergarten, Schule, Gesundheit, Erbschaft, Unterhalt – die Liste der Dinge, die sie als Vormunde zu bewältigen haben, ist endlos.

Die Verantwortung ist groß, die Aufgabe verlangt einen hohen Grad an Flexibilität und Wissen, denn immer wieder müssen sich die drei in komplizierte Sachverhalte einarbeiten. Ein Vormund ist unabhängig und nur dem Familiengericht gegenüber berichtspflichtig. Er ist der Verbündete des Kindes, dessen Inte­ressen im Fokus stehen – auch was die Schule betrifft. Realschule und Ausbildung, wie es der Junge will – oder Gymnasialabschluss, wie es die Pflegeltern gern möchten? Katrin Schliemann hat dem Wunsch des Jungen entsprochen, weil sie es so richtiger fand. Und das Nasenpiercing? „Das kommt auf den Einzelfall an“, sagt Yannik Klaffehn.

Einmal im Monat trifft sich ein Vormund mit seinem Mündel. Viel ist das nicht, doch oft reicht es, um eine persönliche Beziehung aufzubauen. „Gerade bei Jugendlichen ist es wichtig, dass man sich in ihre Lebenswelt hineinversetzt, um herauszufinden, welche Probleme sie haben“, sagt Yannick Klaffehn. Zeit spielt da oft keine Rolle. „Ich saß die letzten viereinhalb Stunden mit einem Jungen in der Notaufnahme“, sagt Ronald Ahr. Und ein Elternabend nimmt auch keine Rücksicht auf Bürozeiten.