Im Nebel

Ein Gespräch mit Frank Rauschenbach,
Geschäftsführer des Hallenbades zum Artikel

Stadtgeschichte entdecken

Die Geschichtswerkstatt in Wolfsburg ist ein Teil des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS). Aber was genau passiert da? Und wie wird dort gearbeitet? Nachgefragt hat die Kulturfreiwillige des IZS bei dem für die Geschichtswerkstatt verantwortlichen Aleksandar Nedelkovski.
Text: Maria Wieking   Foto: IZS

 
„Grabe, wo du stehst“ – Sven Lindquists 1978 erschienenes Buch zielte darauf ab, Menschen, die keinen wissenschaftlichen Bezug zur Geschichte haben, zunächst einmal an sie heranzuführen. Zugleich wies er darauf hin, dass es oftmals auch im persönlichen Umfeld Verknüpfungen zu historischen Ereignissen gibt. Von diesen seien sie mitunter selbst betroffen und könnten sie erforschen. Aus der Bewegung, die sich mit der Erkundung der lokalen Geschichte auseinandersetzte, ging die Idee hervor, mit Geschichtswerkstätten feste Orte für diese Forschung zu schaffen. Um den Bürgern der Stadt Wolfsburg und insbesondere den Schülern ihre Stadtgeschichte näherzubringen, beschloss der Rat der Stadt 1997/98 die Einrichtung einer solchen Geschichtswerkstatt. Diese wird als Teil des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation von Aleksandar Nedelkovski betreut: „Es ist ein wichtiges Anliegen unserer Arbeit den Nutzern zu vermitteln, dass die Geschichte der Stadt unweigerlich mit dem Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter verbunden ist.“ Entsprechend häufig werden sie und die nationalsozialistische Vergangenheit Wolfsburgs zum Thema bei Projekten in der Geschichtswerkstatt.

„Uns geht es um eine Sensibilisierung für die Geschichte der Stadt, um einen kritischen Umgang mit der Vergangenheit und um unsere historische Verantwortung.“ Daraus ergebe sich auch das angestrebte Ziel der Geschichtswerkstatt: ein reflektiertes historisches Bewusstsein zu schaffen sowie Handlungskompetenzen zu vermitteln und Eigenverantwortlichkeit bei den Nutzern zu fördern. „Es sind zu 90 Prozent Schülergruppen, die zu uns kommen“, so Nedelkovski, „von Grundschülern bis hin zu Abiturienten. Unser Angebot für Schülerinnen und Schüler umfasst ganz klassisch AGs, feste Wahlpflichtkurse sowie Seminarfächer, die sich in der Regel fest über zwei Halbjahre erstrecken.“

Im regulären Geschichtsunterricht in der Schule ist es oft gar nicht so einfach, Schüler für dieses Fach zu begeistern – weil häufig der persönliche und somit emotionale Bezug zu den Themen fehlt und der Unterricht zu theoretisch ist. An genau dieser Stelle hat die Geschichtswerkstatt einen klaren Vorteil: Die Schüler können ein Thema wählen, das sie wirklich interessiert. Da die Geschichtswerkstatt direkt an das Wolfsburger Stadtarchiv angegliedert ist, steht ihnen eine große Vielfalt an Primärquellen zur Verfügung, mit denen sie arbeiten können. Das ist in der Schule in diesem Umfang nicht möglich. „Wir inszenieren eine Forschungssituation. Bei uns dürfen die Schüler selbst in die Rolle eines Historikers schlüpfen und im Archiv themenbezogen recherchieren. Damit bekommen sie die Möglichkeit, das vorhandene Wissen kritisch und selbstreflektiert anzuwenden“, erklärt Nedelkovski. Darüber hinaus können die Teilnehmer der angebotenen Workshops in einigen Fällen selbst Zeitzeugen zu den Themen befragen, an denen sie gerade arbeiten. Für ihre Recherche steht den Besuchern eine große Auswahl an Quellen zur Verfügung. Das Institut verfügt unter anderem über ein Bild- und Planarchiv, eine umfangreiche Pressedokumentation und natürlich die Archivalien des Stadtarchivs. Nedelkovski verdeutlicht: „Damit schaffen wir es, lokalhistorische Einblicke zu vermitteln und die deutsche Geschichte greifbar zu machen. Die Schüler lernen, dass Geschichte auch vor der Haustür stattfindet. Somit können sie das große Ganze verstehen.“

Das Angebot der Geschichtswerkstatt wird von vielen Wolfsburger Schulen angenommen. Sie ist damit ein wichtiger außerschulischer Lernort. Darüber hinaus kooperiert die Geschichtswerkstatt im Rahmen der Erwachsenenbildung mit anderen Wolfsburger Kultur- und Bildungseinrichtungen.

Außerhalb der normalen Öffnungszeiten stehen die Geschichtswerkstatt und das gesamte Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation am Sonntag, 6. März 2016, zum „Tag der Archive“ für Interessierte offen. Ein Besuch lohnt sich!

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› Tag der Archive im IZS
06. März 2016

Weitere Informationen unter
www.wolfsburg.de/kultur/...