Ein Kinderspiel

Im Gespräch mit Brigitte van Lindt und Andrea Haupt
über 25 Jahre Figurentheater zum Artikel

Der rote Faden in der Kunst

Ein Regen roter, raschelnder Seidenpapierfäden, gefrorene Neonlichtblitze und die Tragödie des Schwarzen Quadrats als Bildroman: Die Ausstellung „Walk The Line“ stellt im Kunstmuseum Wolfsburg die Zeichnung jenseits unserer konventionellen Vorstellung zur Diskussion.
Text: Christiane Heuwinkel

Blick in die Ausstellung „Walk The Line. Neue Wege der Zeichnung“, Katharina Hinsberg, Spatien, 2011/2015, Courtesy Galleria Marie-Laure Fleisch, Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 
„Spatien“, Zwischenräume, nennt die 1967 geborene Künstlerin Katharina Hinsberg ihre Installation. Tausende von schmalen Seidenpapierfäden klebte sie mit ihren Assis­tentinnen über vier Tage lang an die sechs Meter hohe Decke des Kunstmuseums, um ihre Idee einer Zeichnung im Raum zu verwirklichen.

Denkt man bei „zeichnen“ üblicherweise  erst einmal an Papier und Stift, so zeigen die 105 Arbeiten von 37 internationalen Künstlerinnen und Künstlern der Ausstellung „Walk The Line“, dass dies viel mehr sein kann: Zeichnen mit Licht und Schatten, mit der Computermaus oder sogar mit elektrischen Entladungen, die sich als Brandlinien auf großen Papieren manifestieren wie in den Werken der Künstlergruppe Troika. Oder eben als Meer von Seidenpapierfäden, in das die Besucher eintauchen, um die Bewegungen der Linien, die Gänge, Räume und Zwischenräume und letztlich auch sich selbst in der Bewegung zu erleben.

Der Künstler Christian Jankowski, geboren 1968, erforscht seit Jahren die Grundbedingungen von Kunstmarkt und Museumsarbeit in verschiedenen Medien so klug wie humorvoll. Er bat das Kunstmuseum Wolfsburg, ihm einen Eintrag im Gästebuch für seine Serie „Visitors“ zu schicken, um daraus eine Neonschrift zu gestalten. Sie leuchtet nun als Leitmotiv über der Ausstellung, denn vor einiger Zeit hatte ein Jugendlicher ins Gästebuch des Kunstmuseums geschrieben „Was geht Leute?“ und seinem Kommentar mit einer kleinen Zeichnung und dem Namen Paul signiert. Wer Paul ist, wissen wir nicht, hoffen aber, dass er seine Zeichnung wiedererkennt und sich freut, Teil einer Ausstellung geworden zu sein. Auf seine einfache Frage gibt die Ausstellung viele komplexe Antworten: So kann die Linie zum Beispiel auch Grundlage animierter Zeichnungs­sequenzen sein, was man im kleinen Ausstellungskino mit drei Filmen von William Kentridge, Katie Armstrong und Raymond Pettibon erlebt. Und wer neugierig geworden ist und sich auf das Thema einstimmen will, dem sei der wunderbare Ausstellungstrailer von Christine Gensheimer auf der Website des Kunstmuseums empfohlen: Let’s walk the line!.

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› Walk The Line. Neue Wege der Zeichnung
bis 16. August 2015
› Erwin Wurm. Fichte
bis 13. September 2015

Weitere Informationen finden Sie unter
www.kunstmuseum-wolfsburg.de