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1961 St. Heinrich-Kirche

Text: Nicole Froberg
Fotos: Ali Altschaffel

„Da im Süden der Stadt eine katholische Kirche fehlte, besuchten die hier wohnenden Katholiken die St. Christophoruskirche in der Stadtmitte. Aber weder sie noch die Kirchen im benachbarten Fallersleben oder am Laagberg konnten die Anzahl von Gottesdienstbesuchern aufnehmen, weil jetzt auch die Katholiken vom Rabenberg und Klieversberg in die Gotteshäuser drängten. Deshalb entschloss sich der damalige Bischof Heinrich Maria Janssen 1960 zum Bau der St. Heinrichkirche.“
Handbuch des Bistums Hildesheim, 2011, Teil 3,
Region Braunschweig

 
Am Stemmelteich 2
Architekt: Peter Koller, jun., Wolfsburg
Kirchweihe: 26. August 1961

Die katholische Kirche St. Heinrich am Rabenberg ist nach St. Christophorus (1951) in der Innenstadt und St. Joseph (1957) am Wohltberg der dritte katholische Kirchenbau, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Wolfsburg entstand. Die Kirche wurde um 1956 durch Peter Koller, jun. (geb. 1934), den Sohn des damaligen Stadtbaurats entworfen. Sein Vater hatte sich für die beiden erstgenannten Projekte verantwortlich gezeichnet. Der damals 22-jährige Student war Meisterschüler des Kölner Architekten Prof. Rudolf Schwarz (1897-1961) an der Kunstakademie Düsseldorf, der durch eine Vielzahl von hervorragenden katholischen Sakralbauten weithin bekannt war und in den Nachkriegsjahren als der Kirchenbauer Westdeutschlands galt.

Da schon früh feststand, dass die Kirche dem deutschen Kaiser Heinrich II. von Bamberg (1002-1024) geweiht werden sollte, orientierte sich der Gesamtentwurf am Bild einer Kaiserkrone. Ein Stein aus dem Bamberger Dom wurde bei der Grundsteinlegung eingelassen.

Der Grundriss ist streng symmetrisch organisiert, mit einem festen Gestühl und einer Orgelempore im Rücken der Gemeinde. Durch hohe Buntglasfenster fällt das Sonnenlicht. Sie ragen über die Traufkante wie die Zacken einer Krone. Der Taufstein aus weißem Travertin greift dieses Motiv wieder auf. Gleichzeitig findet sich in der Fenstergestaltung das Symbol einer Ähre.

Die Fassaden sind mit beigen Ziegeln verkleidet, die sich deutlich von den verputzten Wohnzeilen am Rabenberg absetzen. Nicht realisiert wurde ein filigraner Turm mit einem hohen Kreuz, der in den ersten Entwürfen auf der Westseite vorgesehen war. Somit erreichte der Sakralbau im Unterschied zu den frühen Nachkriegskirchen keine Fernwirkung in der Silhouette des Stadtteils. Die St. Heinrich-Kirche steht heute unter Denkmalschutz. Mit Blick auf die deutlich gesunkene Zahl der Gemeindemitglieder wird eine Umnutzung diskutiert.