Die Kunst, Welten zu entdecken

Im Gespräch mit Dr. Ralf Beil, dem neuen Direktor
des Kunstmuseums Wolfsburg zum Artikel

Alles kommt zur Sprache

Text: Annette Siemer
Illustration: Ali Altschaffel

Mit einem neuen Förderkonzept für Kindertagesstätten sollen Kinder noch gezielter zum Sprechen animiert werden. Die ersten neun Kitas setzen das Programm jetzt um.

 
Rein ins Sprachgewühl, dann klappt das schon mit dem Deutschlernen. Am besten spielerisch, im Kindergarten, und zwar so früh wie möglich. Doch das sogenannte Sprachbad allein reicht nicht aus, davon ist auch Michael Kählke, Abteilungsleiter Kindertagesbetreuung im Geschäftsbereich Jugend, überzeugt.

Deshalb hat die Stadt mit Claudia Krebs schon früh eine Fachberaterin für Sprachbildung und Sprachförderung in den Wolfsburger Kindertagesstätten eingestellt. Mittlerweile ist ein Gesamtrahmenkonzept entstanden, das den Bogen von der Krippe bis zur Erwachsenenbildung spannt. Seit 2013 ist Dr. Verena Kirchner von der Volkshochschule Wolfsburg als Sprachkoordinatorin dafür zuständig. Im Dialog mit Claudia Krebs hat sie das Sprachbildungskonzept speziell für Kindertagesstätten weiterentwickelt.

„Fast die Hälfte der 54 Wolfsburger Kitas hat in den nächsten Jahren die Chance, das neu konzipierte Sprachförderprogramm umzusetzen und damit ihre Sprachbildung neu aufzustellen oder weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Verena Kirchner. Und dafür gibt es reichlich Unterstützung: zusätzliche Personalressourcen, einen eigenen Coach für jede Kita sowie gezielte Fortbildungsmaßnahmen.

»Die Sprachförderung soll wie beiläufig in den Kita-Alltag einfließen und so ihre Wirkung entfalten.«

Seit Januar 2015 setzen die ersten neun Kindertagesstätten das neue Sprachförderkonzept um. Es sind Kindertagesstätten, die schon länger ihren Fokus auf die Sprachförderung setzen oder besondere soziale oder demografische Ausgangsbedingungen haben, etwa weil sie besonders viele Flüchtlingskinder oder Kinder aus Südeuropa betreuen.

Noch ein Sonderprogramm, noch mehr Aufgaben für die Erzieherinnen und Erzieher? „Nein, das soll es gerade nicht sein“, versichert Michael Kählke. Im Gegenteil. Die Sprachförderung soll wie beiläufig in den Kita-Alltag einfließen und so ihre Wirkung entfalten. Anknüpfungspunkte gibt es dafür viele: bei der Begrüßung, beim Frühstück, beim Morgenkreis, beim Spielen – keine Situation, die sich nicht eignen würde, um die Kinder zum Sprechen zu animieren oder sie in einen Dialog zu verwickeln, der über einzelne Sätze hinausgeht und bei den Interessen der Kinder ansetzt.

„Studien haben gezeigt, dass der Sprachanteil von Erzieherinnen und Erziehern oft höher ist als der der Kinder“, sagt Dr. Verena Kirchner. „Deshalb haben wir alltagsintegrierte Ansätze entwickelt, mit denen Impulse zum Sprechen gesetzt werden“. Darum auch der Coach: Er soll die Kitafachkräfte dafür sensibilisieren und ihnen die kleinen Tricks vermitteln, mit denen sie die Aufmerksamkeit auf die Sprache lenken können.