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Ein Gespräch über den
Literaturkreis Wolfsburg zum Artikel

Schlosspark

Barockgarten, Ende 17. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert nachempfindend wiederhergestellt,
Schlosspark, ab 1758/59
Themengärten, 2004, Landschaftsarchitekten: Topotek 1, Berlin

„Bis in die gegenwärtigen ökologischen Bewegungen hinein bildet (...) der englische Landschaftsgarten einen Idealtyp. Diese Form verheißt eine ewige Landschaft und lässt den Betrachter im Unklaren darüber, wann die Anlage gestaltet wurde. Wir halten es auch bei Gebäuden oder anderen gestalteten Elementen in unserer Umgebung für wichtig, dass ihre Entstehung lesbar bleibt, dass wir sie einordnen können.“
Martin Rein-Cano, Lorenz Dexler, Topotek 1, 2006
Text: Nicole Froberg   Fotos: Ali Altschaffel

 
1 / Typisches Bild des Landschaftsparks: Undurchdringliches Dickicht, der Weg verschwindet hinter einer Kurve, farbige Bänke setzen Akzente
2 / Edelstahlprismen gliedern den Rosengarten. Daneben finden sich als „Juwelen“ ein Wald- und ein Skulpturengarten im alten Garten
3 / Der Barockgarten. Seine heutige Form mit dem kleinen Teehaus ist vor rund 100 Jahren entstanden und wurde 1967/68 überarbeitet
4 / Übergang zum Allerpark. Betonelemente und wegbegleitende Staudenbeete sind typische Gestaltungsmittel der benachbarten Erlebnislandschaft
5 / Nutzflächen auf der Westseite bilden den weitläufigen Übergang in die Landschaft
6 / Etwa 500 Jahre alt mag diese Eiche sein

Der Schlosspark ist ein Ort mit unterschiedlichen Gesichtern aus verschiedenen Epochen der Landschaftsarchitektur. Die wesentliche Gartenanlage – der Landschaftspark – befindet sich auf der Ostseite des Renaissanceschlosses im Anschluss an die Freitreppe des Gartensaals. Sie wurde im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts begonnen, ist aber erst seit 1959 für jedermann zugänglich.

Gewünscht waren eine bewusste Abkehr vom Stil barocker Gärten mit ihren strengen Formen und eine natürlich wirkende Gestaltung, was dem allgemeinen freiheitlichen Geist dieser Zeit entsprach. Tatsächlich wurde der Park mit seinen Ausblicken in die ursprünglich noch unbebaute Umgebung und den Rückblicken auf das Schloss sehr bewusst angelegt. Rund um eine große Wiesenfläche schlängeln sich die Wege durch Baum- und Pflanzgruppen. Blühende Sträucher und Staudenbeete in organischen Formen, Wasserflächen sowie Gehölze mit verschiedenen Laubformen und -farben werden kombiniert. Auch finden sich viele exotische Arten und Gehölze, die man als Ausdruck der Herrschaftlichkeit von seinen Reisen mitbrachte.

Den Unterschied begreift, wer anschließend in den Barockgarten schaut, der sich gegenüber dem Schlossportal befindet. Ende des 17. Jahrhunderts war hier der erste Ziergarten entstanden. Strenge Symme­trien, Hecken und geometrisch geschnittene Einzelbäume prägen das Bild.

Bis in die Gegenwart hinein erfuhren die Parkanlagen immer wieder Ergänzungen – zuletzt für die Landesgartenschau 2004. Als besinnliches Gegenstück zur benachbarten bewegungsorientierten Erlebniswelt Allerpark wurde der historische Garten in die Inszenierung einbezogen, unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten bereinigt und zeitgenössisch ergänzt. Rosafarbene Bänke, Spielelemente und Zaunpfosten waren damals das Markenzeichen. Einiges davon ist inzwischen zurückgebaut. Geblieben aber sind drei kreisförmige Themengärten, die das Material Edelstahl eindeutig als moderne Elemente hervorhebt.