Willkommen im
Mainstream

Ein Gespräch mit dem Wolfsburger Tätowierer
Oliver Fiedler zum Artikel

Sorglose Stunden

Text: Marc Halupczek
Foto: Ali Altschaffel

Das Projekt „Kleine Angehörige“ existiert in Wolfsburg seit drei Jahren und hilft Kindern zwischen vier und 15 Jahren, deren Eltern oder Elternteil seelisch erkrankt sind.

Die Diplom-Psychologen Thomas Tolle und Karin Fouckhardt-Hentschel
von der Erziehungsberatung Wolfsburg

 
„Kinder, die in Familien mit seelischer Erkrankung aufwachsen, haben es besonders schwer“, weiß der Diplom-Psychologe Thomas Tolle. „Denn eine solche Erkrankung greift massiv in die Familiendynamik ein. Das heißt, die Kinder übernehmen zumindest zeitweise Elternpflichten wie Kochen, Einkaufen und die Sorge für Geschwister. Außerdem erkranken Kinder seelisch kranker Eltern häufiger selbst an einer solchen Krankheit. Deshalb wollen wir diesen Kindern mit unserem Projekt „Kleine Angehörige“ ein zumindest teilweise unbeschwerteres Leben ermöglichen.“ Dieses Ziel wird in Wolfsburg seit 2010 verfolgt.

Damals wurden die ersten Patenschaften vermittelt. „Die ehrenamtlichen Paten übernehmen für vier Stunden in der Woche die Betreuung. Sie helfen zum Beispiel bei den Schulaufgaben, gehen mit den Kindern zum Schwimmen oder ins Kino.“ Für ihre Auslagen erhalten sie eine kleine Aufwandsentschädigung. Dieses Geld stammt aus Spenden, die der Deutsche Kinderschutzbund als Träger einwirbt und verwaltet.

Das Projekt „Kleine Angehörige“ ist ein Kooperationsprojekt: Mitarbeiter des Sozial­psychiatrischen Dienstes, des Allgemeinen Dienstes des Jugendamtes, der Drogenberatung und der Erziehungsberatung arbeiten zusammen. Die Erziehungsberatung ist für die Auswahl, Schulung und Begleitung der Paten zuständig.

Potenziellen Paten sollte vor allem das Wohl der Kinder und ihrer Familien am Herzen liegen. „Zu Beginn werden Interessenten umfassend informiert und anschließend geschult. Dabei liegt der Schwerpunkt auf allen Aspekten des Kinderlebens. Unterstützung von den Fachkräften der Erziehungsberatung wird unter anderem durch eine regelmäßige Paten-Gruppe gewährleistet. Wir verlangen zudem ein gewisses Maß an Lebenserfahrung und die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses“, so die Diplom-Psychologin Karin Fouckhardt-Hentschel.

Momentan gibt es in Wolfsburg elf Patinnen und acht laufende Patenschaften. Drei Patenschaften sind aus verschiedenen Gründen bereits ausgelaufen. Denn natürlich muss nicht nur die Chemie zwischen Pate und Kind stimmen, sondern auch die Familie des Kindes einverstanden sein. „Manche Familien befürchten, man wolle ihnen ihr Kind wegnehmen. Das ist allerdings nicht unser Auftrag. Wir bieten freiwillige Unterstützung an. Eine weitere Voraussetzung dafür ist, dass sich das erkrankte Elternteil in ärztlich-psychotherapeutischer Behandlung befindet“, so Tolle. Anhand der Patientenzahlen wird geschätzt, dass allein in Wolfsburg zwischen 500 und 3.000 Kinder eine solche Betreuung benötigen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber ein viel versprechender Anfang ist gemacht.

Erziehungsberatung Wolfsburg
Offene Sprechstunde:
Mo. 16.00 bis 18.00 Uhr
Do. 11.00 bis 12.00 Uhr