Schüsselerlebnis

An welchen Orten der neue Phaeno-Chef Michel Junge Inspirationen findet und warum er den Hadid-Bau für
einen Rennwagen hält zum Artikel

Musizierende Botschafter

Text: Annette Siemer
Foto: Ali Altschaffel

Die Arbeit im Musikensemble ist für die Schüler der Wolfsburger Musikschule eine besondere Erfahrung, an der die Jugendlichen auch persönlich wachsen. Den Höhepunkt aber stellen die Auslandsreisen dar – zuletzt gings sogar nach Japan!

Schülerinnen des Musikensembles bei der Probe

 
Allenfalls durch ein offenes Fenster des Musikschulgebäudes könnte etwas nach außen dringen. Doch die bleiben im Winter alle geschlossen. So gehen die Fortschritte der Schüler gewissermaßen im Verborgenen vonstatten. Haben sie auf ihren Instrumenten ein präsentables Niveau erreicht, dann geht es raus auf die Bühne. „Mutig sein, das Lampenfieber überwinden, auf der Gitarre oder am Keyboard öffentlich vorspielen, das sind Herausforderungen, an denen die Musikschüler wachsen“, sagt der Leiter der Wolfsburger Musikschule, Andreas Meyer.

Wer als Musikschüler Spaß am gemeinsamen Musizieren hat und noch mehr erreichen möchte, ist beim Gitarren-, Folk- oder Schlagzeugensemble willkommen, ohne dass er dafür extra bezahlen müsste. „Für 6,50 Euro im Monat kann man mitspielen, ohne Mitglied in der Musikschule zu sein“, sagt der stellvertretende Leiter, Matthias Klingebiel. Das ist nicht selbstverständlich, denn nicht jede städtische Musikschule leistet sich eine solche Ensemble-Arbeit. „Die Stadt Wolfsburg jedoch unterstützt uns dabei sehr.“

„Öffentliche Auftritte und gemeinsam Reisen, das schweißt zusammen, das bleibt in den Köpfen der Schüler“, sagt Meyer. Toppen können das nur noch die Auslandsreisen. „Die sind das Krönchen auf der Ensemblearbeit, da spielt eine besonders intensive, emotionale Komponente mit, die für Erfahrungen sorgt, die weit über die Reise hinaus wirken.“

Der absolute Höhepunkt liegt noch gar nicht so lange zurück. Letzten Juli flogen 13 Mitglieder des Musikschulorchesters in Begleitung von Andreas Meyer und Matthias Klingebiel, Orchesterleiter Hans Ulrich Kolf und Cellolehrerin Maria del Mar Ribas Requena nach Japan, um in Toyohashi am 4. Internationalen Orchestercamp teilzunehmen. Im Gepäck: Ihre Instrumente, Noten und bange Fragen wie „Gibt es da nur rohen Fisch?“.

»Gemeinsam Reisen,
das schweißt zusammen.«

Ein Jahr zuvor hatte eine hochrangige Delegation unter der Führung des Oberbürgermeisters von Toyohashi die Wolfsburger Musikschule kennengelernt und eine offizielle Einladung zur Teilnahme an diesem anspruchsvollen Projekt ausgesprochen. Dank der großzügigen Unterstützung mehrerer Sponsoren konnte sich das Musikschulorchester auf den Weg nach Japan machen.

Es war nicht nur die Arbeit unter dem charismatischen japanischen Maestro Takao Ukigaya oder das Zusammenspiel mit den Mitgliedern des Brandenburgischen Staatsorchesters und den 250 jugendlichen Teilnehmern des Musikcamps, was die Reisen unvergesslich machte. Die Schüler haben tiefe Einblicke in die japanische Kultur erhalten und die herzliche Gastfreundschaft ihrer Gasteltern erlebt. Und als Höhepunkt ein großartiges Konzert vor über 1.000 Zuschauern gegeben, mit Werken von Elgar, Rimski-Korsakow, Mozart und Sarate. „Wenn man das geschafft hat, kann man stolz auf sich sein“, sagt Meyer. „Für die Schüler war das die Krönung ihrer Arbeit am Instrument und im Ensemble.“

Wenn das Musikschulorchester auf Reisen geht, dann geschieht das auch in offizieller Mission, als Botschafter der Stadt. Die jungen Kulturbotschafter repräsentieren Wolfsburg auf besonders sympathische Weise und erfahren dabei selbst eine hohe Wertschätzung. Das prägt. Als Städtebotschafter durften sie in Japan selbst eine Einladung aussprechen. Im Juli wollen die Wolfsburger ebenfalls ein Musikcamp veranstalten, allerdings eine Nummer kleiner. „Wir haben nach etwas gesucht, was es in Japan nicht gibt, deshalb wird es zusätzlich zur Orchesterarbeit Percussion- und Tanzworkshops geben“, so der Musikschulleiter. Vor den Sommerferien werden 15 junge japanische Musiker die Stadt besuchen, für sie sucht die Musikschule nun Gasteltern. Nach den aufregenden Erlebnissen, die die japanischen Gastfamilien ihren deutschen Gästen bescherten, dürfte das nicht schwer sein, hofft Meyer.