Vielfalt leben

Ein Gespräch mit Sylvia Cultus, Leiterin
des Integrationsreferates zum Artikel

Bewegende Momente

So vielfältig ist Mechanik: Balancieren, Jonglieren, Jo-Jo-Spielen! 45 neue, darunter 16 Kunstwerke und weitere runderneuerte Exponate werden den Besuchern vom 3. Oktober 2015 bis 14. August 2016 in der Sonderausstellung MechanixX im Phaeno in Wolfsburg bewegende Momente bescheren.
Text: Andrea Behrens   Foto: Janina Snatzke

 
Warum bleibt die Kugel auf dem Affensattel liegen? Wieso fällt der Balancierstab nicht um? Wie erreiche ich mit einem kleinen Hebeltrick mein Wunschgewicht? Kinder und Erwachsene kommen diesen Phänomenen durch ihr eigenes Tun auf die Spur und enträtseln die physikalischen Hintergründe. Und dies alles auf die gewohnt spielerische Art.

„Mechanik ist ein breites Feld. Es reicht von Hebeln über Schwingungen bis zu komplexen Regelkreisen. Es war eine Herausforderung, diese Exponate aus einer Fülle von Möglichkeiten auszuwählen“, sagt Dr. Christof Börner, der Kurator der Ausstellung. Ein Highlight der MechanixX-Ausstellung ist das Exponat „Große Ballwelle“. Auf einer Länge von 17 Metern sind große, rote Bälle als zusammenhängendes Pendel an der Decke angebracht. Die Besucher können selbst Hand anlegen und erstaunliche Wellenmuster in riesigen Dimensionen durch den Raum bewegen.

Ihren eigenen Beitrag zum Verständnis der Mechanik und darüber hinaus werden mehrere außergewöhnliche Maschinen von renommierten kinetischen Künstlern liefern. Zu den ausgefallensten Attraktionen zählen dabei sicher Arthur Gansons mechanisch hochkomplexe Maschinen. Fundstücke oder fremdartige Gegenstände wie ein wanderndes Artischockenblatt, eine nervige Fliege oder ein staunender Puppenkopf werden durch die wundersam filigranen Mechanismen zum Leben erweckt.

Die Kunstwerke von Bruce Shapiro und Jennifer Townley laden zum meditativen, betrachtenen Verweilen ein: Bei Shapiros „Sisyphus IV“ zieht ein Mechanismus zwei Kugeln durch den Sand. Die Sandspuren der Kugeln erzeugen nach und nach komplizierte mathematische Muster, die in ihrer Schönheit an buddhistische Zen-Gärten erinnern. Eine Art Mandala zeichnet die Zahnradmaschine „Phaser“ von Townley. Der Zeichenarm besteht aus austauschbaren Zahnrädern. Es entstehen je nach Kombination der Zahnräder unterschiedliche, hochpräzise Linienzeichnungen. Die Anzahl der Zähne der verschiedenen Zahnräder bestimmen die Drehgeschwindigkeit des Stifts und die Komplexität der Zeichnung. Erstaunlicherweise kommt auch bei komplexesten Mustern die Zeichnung irgendwann wieder an ihrem Anfang an und es ergibt sich eine endlose Wiederkehr.

„Viele der kinetischen Kunstwerke kann man mittlerweile im Internet angucken. Aber in der MechanixX-Ausstellung kann man sie live sehen – und das ist etwas ganz Besonderes“, erklärt Dr. Christof Börner.

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Weitere Informationen unter
www.phaeno.de/mechanixx