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Ein Gespräch über den
Literaturkreis Wolfsburg zum Artikel

Vom Fortgehen und Heimkehren

Das „Junge Theater Wolfsburg“ startet in eine neue Saison. Leiter Bernd Upadek spricht über Geschichten von mutigen Abenteurern, Pinguinen mit Sprachfehlern und Theater an ungewohnten Orten.
Text: Marc Halupczok   Foto: Ali Altschaffel

 
„Vom Fortgehen und Heimkehren“, das ist das Motto der neuen Spielzeit des Jungen Theaters Wolfsburg. Eine Formulierung, die in vielerlei Hinsicht passt, wie Bernd Upadek erzählt. „Dieses Motto ist tatsächlich erst entstanden, als ich den Spielplan bereits fertiggestellt hatte. Mir ist aufgefallen, dass viele Märchen und Geschichten davon handeln, wie der Protagonist in die Welt zieht, Abenteuer erlebt und dann nach Hause zurückkehrt, wo sich vieles verändert hat. Oder es ist alles wie vorher, aber die Hauptfigur sieht es nun mit anderen Augen.“

Natürlich kann diese Überschrift zudem auf die aktuelle Situation des Theaters bezogen werden, das im Laufe der Spielzeit wieder ins Stammhaus zurückkehrt. „Auch unsere Zuschauer werden sich freuen, wieder an gewohnter Stelle Theater schauen zu können. Optisch hat sich am Ende gar nicht so viel verändert. Aber man merkt immer erst, was man hatte, wenn es fehlt. Uns Mitarbeitern geht es da ganz ähnlich.“ Trotzdem gibt es in der neuen Spielzeit, die 38 Produktionen (darunter 17 im Familien-Abo) und rund 90 Aufführungen umfassen wird, sechs verschiedene Spielstätten, so viele wie noch nie. „Neben der Hinterbühne und dem Großen Haus bespielen wir auch weiterhin die Black Box im Congresspark, das Hallenbad und den WVG-Bus“, erzählt Upadek.

Eine ganz besondere Spielstätte wird Anfang September eingeweiht: Am und auf dem Allersee vor dem Kolumbianischen Pa­villon. „Das Stück ,Das Lächeln der Welt­meere‘ gehört nicht direkt zum Programm des Jungen Theaters, sondern fällt unter das Motto ,Theater an ungewohnten Orten‘ in Kooperation mit dem Kulturwerk der Stadt Wolfsburg. Ein ungewohnter ist kein beliebiger Ort, daher wollten wir ein spezifisches Stück, das zu den lokalen Gegebenheiten passt. Die Besucher werden bei dieser Aufführung in Liege­stühlen sitzen und ein Stück über ein Kreuzfahrtschiff sehen, das durchaus Ähnlichkeiten mit der Costa Concordia besitzt, die 2012 vor Italien unterging. Es ist eine Farce mit Tiefgang und gleichzeitig sehr unterhaltsam. Es wird je eine Vorstellung am 09. und 10. September um 20.00 Uhr geben, der Eintritt ist frei. Dabei hoffen wir auf schönes Wetter.“

Neben diesem ungewöhnlichen Event wird es aber natürlich auch wieder diverse spannende Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche geben, wie Upadek erklärt. „Obwohl wir vorrangig ein Gastspielthea­ter sind, bemühen wir uns, ein gewisses Repertoire eigener Stücke beizubehalten. Dazu gehören zum Beispiel große Erfolge wie ,Angstmän‘ von Hartmut El Kurdi, Goethes ,Die Leiden des jungen Werthers‘ oder ,Der Junge im Bus‘ von Suzanne van Lohui­zen. Von den 38 Produktionen sind allerdings mehr als die Hälfte neu im Programm.

Ganz besonderen Wert legen wir darauf, neue Ansätze und Ideen zu fördern. Zum Beispiel präsentieren wir ,Einband, Blätter und Schrift‘, ein Stück des portugiesisch-holländischen Zirkustheaters Projecto Ana­grama, mit Artistik, Jonglage und Seiltanz. Ein weiteres Highlight im Programm ist ‚Beatbox Deluxe: Neues aus dem Ohr­labor‘ für Jugendliche ab 13 Jahren. Unter den fünf Beatbox-Künstlern befinden sich die amtierenden Europameister und der offizielle Weltrekordhalter im Dauer-Beatboxen. Außerdem wird es ein Live-Hörspiel geben: ‚On Air: Die Räuber‘ nach Friedrich Schiller.“

Neben diesen Besonderheiten hat das Programm des Jungen Theaters noch diverse andere Highlights für alle Altersstufen zu bieten. Das Duo „theater 3 hasen oben“ steht für musikalische und verspielte Fassungen bekannter Märchen, die Jung und Alt verzücken. „Ginpuin. Auf der Suche nach dem großen Glück“ erzählt von einem Pinguin mit Sprachfehler, „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zaunes schaute“ ist ein preisgekröntes Stück, das sich aus einem ganz neuen Blickwinkel mit den Gräueltaten der Nazis auseinander­setzt. „Wir sind außerdem sehr froh darüber, drei englischsprachige Stücke im Programm zu haben, darunter ,Happy Bird’s Day‘ für Kinder ab sechs Jahren“, sagt Upadek. „Das Faszinierende an dieser Aufführung ist, dass die Zuschauer keinerlei sprachliche Vorkenntnisse brauchen, um der Handlung zu folgen.“

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Weitere Informationen unter
www.theater.wolfsburg.de/junges-theater