Auf Bildung bauen

Im Gespräch mit Julia Leusmann und Friederike Jörke
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Die universelle Sprache

Das Theater Wolfsburg präsentiert am 15. April im Congresspark den Auftritt des Quartetts Salut Salon. Im Gespräch erläutern die Vollblutmusikerinnen ihre karitativen Projekte, fallen zwischenzeitlich vor Lachen fast vom Stuhl und deuten an, was ihre Fans in der „Nacht des Schicksals“ erwartet.
Text: Marc Halupczok   Foto: Ali Altschaffel

Zwei von vier: Angelika Bachmann und Iris Siegfried von Salut Salon über Musik und die Welt

 
Das Phänomen Salut Salon existiert bereits seit 13 Jahren. Die vier Musikerinnen Angelika Bachmann (Violine), Iris Siegfried (Violine, Gesang), Anne-Monika von Twardowski (Klavier) und Sonja Lena Schmid (Cello) haben es sich seitdem zur Aufgabe gemacht, ihr Publikum und sich selbst mit einer Mischung aus Instrumentalakrobatik, Charme und Humor zu unterhalten. Seit Jahren geht es stetig bergauf, die Konzerte rund um den Globus werden immer größer, die TV-Auftritte häufiger.

»Wir können das Schicksal auch nicht erklären, nur musikalisch interpretieren.«

Doch der wahre Wahnsinn brach im letzten Jahr über das Quartett herein, als Salut Salon ohne weitere Hintergedanken ihre Zugabe „Wettstreit zu viert“ ins Netz stellte. Seitdem haben 17,4 Millionen Menschen das Video angeklickt, in dem die Damen ihre Instrumente im Liegen, hinter dem Rücken, über Kreuz und in allen erdenklichen Positionen spielen. „Das ist eigentlich gar nicht so schwer. Das Erlernen des Instrumentes an sich ist viel komplizierter, als ein paar Verrenkungen zu machen“, lacht Angelika Bachmann. „Aber wir haben uns schon Mühe mit dieser Nummer gegeben, ein halbes Jahr lang daran gefeilt. Was aber nicht verhindert, dass wir bei der Aufführung alle schon mal Sterne gesehen haben, weil irgendwer das Instrument einer anderen an den Kopf bekommen hat. Das finden die anderen drei dann immer ziemlich lustig.“ Wo gehobelt wird, fallen Späne, heißt es so schön. Und der Einsatz lohnt sich, denn die eh schon prall gefüllten Terminkalender füllen sich nun noch schneller. „Wir haben schon immer rund ein Jahr im Voraus geplant, aber es ist alles noch ein bisschen verrückter geworden. Zum Beispiel spielen wir im Frühjahr 2016 eine Tour in den USA, die bereits komplett ausgebucht ist“, meint Iris Siegfried.

Tatsächlich haben sich Salut Salon in erster Linie live einen Namen gemacht. Auch in Wolfsburg waren sie in den letzten Jahren schon häufiger zu Gast, ob beim Sommerfest am Schloss, im Hallenbad oder im Theater. Dieses Mal erwartet die Besucher „Die Nacht des Schicksals“, eine traditionell ungewöhnliche Zusammenstellung von bekannten und weniger bekannten klassischen Stücken, Tango-Anleihen und Chansons. „Die Idee zum Titel kam uns, als wir über philosophische Fragen diskutierten und irgendwann bei Nietzsche landeten“, erinnert sich Bachmann. „Allerdings können wir das Schicksal auch nicht erklären, nur musikalisch interpretieren. Am Ende kommt es ja doch, wie es kommt.“

Bachmann und ihre Kollegin wurden für ihre ehrenamtliche Arbeit mit Kindern 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Kinder und Jugendliche mit Musik vertraut zu machen, ist eine der Herzensangelegenheiten von Salut Salon. Weihnachten 2014 verbrachte das Ensemble in Kenia, um dort mit den „Ghetto Classics“, einem Musikprojekt für gut 300 Kinder, in den Slums zu musizieren. Berührungsängste gab es dabei von keiner Seite. „Musik ist eine universelle Sprache. Egal, ob du in Deutschland, Kenia, China oder Chile spielst, vor allem Kinder haben ein gutes Gespür für diese Kunstform. Wenn eine Geige erklingt, sind erstmal alle ganz still und hören zu“, sagt Bachmann.

»Musik ist eine universelle Sprache, vor allem Kinder haben ein gutes Gespür für diese Kunstform.«

Über die Frage, in welchem Land sie unbedingt spielen möchte, muss die Geigerin nicht lange nachdenken. „Im Oman. Daran fliegen wir immer vorbei. Oder im Iran, den habe ich bisher nur privat besucht.“ „Du würdest auch in Nordkorea spielen“, kommt prompt der Einwurf von Freundin und Kollegin Siegfried. Und da ist es dann wieder, das charakteristische Lachen, das bei Salut Salon nicht nur auf der Bühne dazugehört. „Am schlimmsten ist es, wenn wir ein ernstes Stück spielen und irgendeine von uns zu lachen beginnt“, erzählt Bachmann. „Ich schaue dann immer schnell weg. Einmal hatte ich einen regelrechten Anfall und konnte 45 Minuten lang nicht mehr aufhören.“

Frohsinn scheint das Geheimnis der Musikerinnen zu sein, die sich trotz intensiver Touren (80 bis 120 Auftritte pro Jahr), Proben (auch vor Konzerten pünktlich um 15.00 Uhr) und vieler anderer gemeinsamer Aktivitäten nie zanken. „Wir haben keinen Streit. Wozu sollte das auch gut sein? Natürlich, wir diskutieren viel innerhalb der Gruppe, gehen aber nie auseinander, bevor nicht jede ihren Standpunkt darstellen durfte. So stellen wir auch unser Programm zusammen.“

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Mehr Informationen unter
www.salut-salon.com und
www.theater.wolfsburg.de