Schüsselerlebnis

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Szenenwechsel

Text: Marc Halupczok
Foto: Matthias

Wegen der umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten des Scharoun-Baus schließt das Theater Wolfsburg ab Juni 2014 für anderthalb Jahre seine Pforten. Marita Stolz, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Theater, gewährt einen Blick hinter die Kulissen der künftigen Baustelle und verspricht auch für die Zukunft außergewöhnliche Aufführungen.

 
Nach momentanem Kenntnisstand wird das Theater erst im Dezember 2015 wieder eröffnet werden. Ist dieser Termin noch aktuell? Und wie wahrscheinlich ist es aus heutiger Sicht, dass er auch wirklich eingehalten wird?
Wir schließen Ende Mai 2014 und gehen davon aus, dass die Sanierungsmaßnahmen wie geplant fertig werden. Den genauen Öffnungstermin werden wir dann kommunizieren. Wir haben aber ein hervorragendes Team an Architekten und Mitarbeitern des Bauamtes der Stadt sowie der Denkmalpflege und sind optimistisch.

Das Theater wurde 1973 eröffnet, die Sanierung soll mindestens 25 Millionen Euro kosten. Können Sie sagen, welches die wichtigsten Sanierungspunkte sind? Wird es auch bauliche Veränderungen geben?
Wichtigste Sanierungspunkte sind die energetischen Verbesserungen, wie zum Beispiel die große Fensterfront im Foyer. Heutzutage gibt es andere Möglichkeiten der Isolierverglasung. Das Dach, an einigen Stellen schon etwas durchlässig, wird erneuert. Die Bühnentechnik wird auflagengerecht auf den neuesten Stand gebracht. Und wir müssen bei dieser Gelegenheit den neuen Brandschutzsicherheitsverordnungen in vollem Umfang nachkommen. Da wir inzwischen mehrere Eigenproduktionen haben, fehlt es an Lagerkapazitäten, was durch ein neues Seitenlager an der Bühne ausgeglichen wird. Die Bestuhlung im Zuschauerraum wird zudem aufbereitet und die Klimaanlage modernisiert. Hinzu kommt auf der Südseite des Foyers ein Anbau für weitere Damentoiletten. Und selbstverständlich wird das – nach 40 Jahren und jährlich mehr als hunderttausend Besuchern etwas „abgewohnte“ – Haus auch farblich aufgefrischt.

Nach der Sanierung wird das Theater neue Möglichkeiten haben, vor allem in Sachen Technik. Gibt es schon Pläne, wie diese genutzt werden kann? Wird die Bandbreite des Programms noch größer, weil vielleicht Produktionen gebucht werden können, die vorher aufgrund der Größe oder der technischen Anforderungen abgelehnt werden mussten?
Die Bandbreite unseres Programms lässt sich wohl kaum noch erweitern. Wir haben eine der größten Bühnen im Bespieltheaterbereich. Also wird sich an der Bühnengröße nichts ändern. Und wir mussten bisher aus den von Ihnen genannten Gründen auch noch auf keine Vorstellung verzichten. Unsere Technik war immer auf einem guten Stand, die Weiterentwicklung auf diesem Gebiet geht allerdings rasend schnell. Außerdem haben wir ein tolles Team von Technikern mit dem Ehrgeiz, auch größte Herausforderungen zu meistern.

Gibt es in Deutschland oder im Ausland ein Theater, an dem Sie sich bezüglich der Sanierung orientieren oder bei dem Sie sagen, das ist das Ziel, da wollen wir in Sachen Technik oder Optik hin?
Nein. Das sind individuelle Lösungen. Doch das Architektenteam hat bereits Erfahrungen mit der Sanierung von Theatern und vor allen Dingen mit dem Denkmalschutz, was einen riesigen Vorteil bedeutet. Und was die Optik angeht: Da sind wir mehr als zufrieden mit dem Werk von Hans Scharoun, das bekannterweise unter Denkmalschutz steht und immer wieder von Architekten und Architekturstudenten aus aller Welt besichtigt wird.

Das Theaterpersonal zieht in den Congresspark um, wo in den besagten 18 Monaten auch Teile des Programms gezeigt werden. In der Presse war von „improvisiertem“ Theater die Rede. Wie sehr werden die Umbaumaßnahmen den Spielplan und die Stücke selbst beeinflussen?
Das „improvisierte“ Theater bezieht sich ja lediglich auf die Räumlichkeiten beziehungsweise auf die etwas reduzierte Bühne und den Zuschauerraum im großen Saal. Zum einen wollen wir versuchen, jeden Abonnenten ähnlich zu platzieren wie es im Theater der Fall war. Zum anderen bieten wir natürlich weiterhin professionelle Ensembles an. Die Abonnements sollen alle bedient werden. Die Menge der Vorstellungen müssen wir allerdings im Hinblick auf die Veranstaltungen, die direkt über den Congresspark laufen, reduzieren.

Welche Highlights können die Besucher für die Spielzeit 2014/2015 insgesamt erwarten?
Zwar weniger Theatervorstellungen, aber dafür … Ich will nur einige verraten, im Programm sind zum Beispiel „Die Golden Girls“ vom Ku’damm, nach langer Zeit mal wieder das „Traumtheater Salome“ und die „Blues Brothers“.

Kurz vor der Schließung ist ein Theaterfest geplant. Was genau wird da stattfinden? Eine Abrissparty der Marke „Rocky Horror Picture Show“?
Lassen Sie sich überraschen!

Auf welche Programm-Highlights kann sich das Publikum bis zur vorübergehenden Schließung im Juni 2014 noch freuen?
Ich kann nur einige nennen, denn bis dahin drängen sich noch viele Höhepunkte, zum Beispiel Bodo Wartke oder Götz Alsmann. Im Schauspiel haben wir „Die Päpstin“ oder „Woyzeck“ mit der Musik von Tom Waits, und ein letztes Mal „Ich konnt’ das Maul nicht halten“. Im Ballettbereich bieten wir die klassische Aufführung „La vie en rose“ oder modernen Tanz mit „Limón Dance“, das Musical „Ein Käfig voller Narren“ und das Filmkonzert „Modern Times“ an.

Weitere Informationen erhalten Sie unter
www.theater.wolfsburg.de