Lichter in der Stadt

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Mit der Kunst im Zwiegespräch

Text: Annette Siemer
Foto: Ali Altschaffel

Mit „Fürs All genug“ zeigt die Städtische Galerie Wolfsburg was sie hat: eine herausragende Sammlung. Der Künstler Roland Schappert traf für die Jubiläumsschau eine subjektive Auswahl und bringt sich dabei selbst ins Spiel.

Ausstellungsmanager Marcus Körber und der Künstler Roland Schappert haben „Fürs All genug“


Es wäre naheliegend gewesen, den 40. Geburtstag der Städtischen Galerie mit den 40 „Best of“ der umfangreichen Sammlung zeitgenössischer Kunst zu präsentieren. Allein das wäre schon sehenswert genug. Dem Geist des Hauses hätte das allerdings kaum entsprochen. Also wird dem Publikum anlässlich des Jubiläums eine ganz besondere Auswahl gezeigt.

„Wir haben den Künstler Roland Schappert gebeten, mit uns zusammen die Sammlung zu betrachten und mit dem Blick des Künstlers eine neue Präsentation zu gestalten“, sagt die Direktorin der Städtischen Galerie, Dr. Susanne Pfleger. Doch Roland Schappert hat es dabei nicht belassen. Mit seinen skripturalen Wandbildern, die anlässlich der Neupräsentation in den Ausstellungsräumen entstanden sind, tritt er selbst in einen Dialog mit der Sammlung. Das Resultat: „Fürs All genug“.

Roland Schappert im künstlerischen Zwiegespräch mit Gerhard Richters „Bomber“, Günther Ueckers „Sandspirale“, mit Werken von Thomas Bayrle, Jürgen Klauke, Thomas Schütte, Joseph Beuys, Konrad Klapheck und vielen anderen. „Man kann sich freuen“, sagt Susanne Pfleger, „auch auf einige ältere Werke, die schon länger nicht mehr gezeigt wurden.“

Auf der Liste namhafter Künstler, die in 40 Jahren Sammlungstätigkeit der Städtischen Galerie auf ein beachtliches Maß gewachsen ist, stehen Namen wie Georg Baselitz, Heinz Mack, Karl Otto Götz oder Oskar Schlemmer. Doch der Direktorin geht es nicht um die „big Names“, sondern darum, dass „die Besucher durch das Schauen zu einer eigenen Einsicht kommen und etwas mitnehmen. Eine Idee, einen Aspekt, der sie bereichert.“

Ein Ansatz, den das Publikum offenbar zu schätzen weiß. „Wir sind stolz darauf, ein Publikum zu haben, das immer wieder kommt und sich mit seiner Galerie identifiziert. Das ist sehr wertvoll“, sagt die stellvertretende Galerieleiterin Brigitte Digel. Die Städtische Galerie sei dabei nicht nur für die Wolfsburger eine Identität stiftende Institution, sondern wirke auch als Botschafter Wolfsburgs in der ganzen Welt. Weil das Publikum überregional ist und die Kunstwerke auf Reisen gehen.

»Die Sammlung ist der Kern,
von dem alles ausstrahlt.«

Die Städtische Galerie ist hinter meterdicken Mauern des Wolfsburger Schlosses beheimatet. Eine schwierige Kulisse für die Präsentation und Auseinandersetzung mit aktuellen Kunstströmungen, kein „White Cube“, der den Exponaten als neutrale Projektionsfläche dienen würde. „Eine Ausstellung im Schloss zu kuratieren ist eine ganz besondere Aufgabe, denn die Räume sind immer besetzt mit der Geschichte einer Familie und der eines historischen Gebäudes“, sagt Susanne Pfleger.

Doch was wie ein räumliches Korsett erscheinen könnte, das Kuratoren und Künstler in ihren Möglichkeiten begrenzt, bietet stattdessen Freiraum für experimentelle Kunst, die neue Sichtweisen eröffnet und sich mit den Strömungen der Gegenwart auseinandersetzt. Es gibt kein starres kuratorisches Konzept, keine Definitionen, keine Regeln. Die einzige Beschränkung, der sich Ausstellungsmacher und Künstler gleichermaßen beugen müssen ist diese: „Wenn die Formate nicht durch die niedrigen Rundbogentüren gehen. Das ist dann die Kunst, die einfach nicht zu uns passt“, schmunzelt Susanne Pfleger.

Einblick in die spannende Geschichte der Städtischen Galerie gibt ein Film, von Axel Bosse ehrenamtlich betreut, der anlässlich des Jubiläums entstanden ist und eine Reihe von Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. „Da sieht man, dass wir schon immer sehr experimentell unterwegs waren“, sagt die Direktorin.

Seit Ende der 50er-Jahre ist ein Konvolut an Werken zusammengetragen worden, das wichtige künstlerische Tendenzen der deutschen Kunst zu einer Sammlung mit unverwechselbarem Profil vereint. „Die Sammlung ist der Kern, von dem alles ausstrahlt“, sagt Susanne Pfleger. Vieles davon, wollte man es heute ankaufen, wäre unbezahlbar.

Die Begrenztheit der Mittel hat die Städtische Galerie jedoch auf ihre Weise überwunden. Statt teurem Mainstream wird vor allem Kunst in Verbindung mit den Sonderausstellungen gesammelt, die bis zu viermal im Jahr stattfinden. Viele der dort präsentierten Arbeiten entstehen dabei prozesshaft vor Ort und nicht selten verbindet eine langjährige Zusammenarbeit die Künstler, das Haus und das Publikum. Die Städtische Galerie – ein Hot Spot des künstlerischen Experimentierens.

Die Ausstellung „Fürs All genug“
läuft seit dem 21.Oktober
in der Städtischen Galerie Wolfsburg.

Weitere Informationen unter
www.wolfsburger-figurentheater.de