Lichter in der Stadt

Im Gespräch mit Stefan Krieger, dem neuen Leiter
des Geschäftsbereichs Kultur zum Artikel

1969 Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule

Text: Nicole Froberg
Fotos: Ali Altschaffel

„Architekt Pysall, der am Sonnabendmittag ein Telegramm des Stadtbaurates mit der ‚Sieger‘-Meldung bekommen hatte, hat sich mit seinem Compagnon Rollenhagen intensiv gerade mit der pädagogischen (gut gelungenen) Lösung viel beschäftigt. Ihnen kamen Erfahrungen bei dem Wettbewerb des Braunschweiger Schulzentrums am Heidberg zugute, wo das Team vor einem Jahr bei einem Wettbewerb den dritten Platz belegte.“
aus: „Wettbewerb um Wolfsburgs Doppelschule entschieden“,
Wolfsbuger Nachrichten vom 15. November 1965

 
Suhler Straße 1, Westhagen
Architekten: Hans-Joachim Pysall, Eike Rollenhagen, Braunschweig
Wettbewerb: 1965

Als Anfang der 60er-Jahre die neuen Stadtteile Detmerode und Westhagen geplant wurden, zeichnete sich parallel der Bedarf eines dritten Gymnasiums und einer dritten Realschule im Süden Wolfsburgs ab. Beide Schulen wurden – zunächst ohne inneren Zusammenhang – als Doppelschule nebeneinander errichtet und sollten sich Fachräume, Sportstätten und Freianlagen teilen. Das neue Schulzentrum wurde am Rande des Stadtteils Westhagen platziert, wo sich die Wege aus den ursprünglichen Einzugsbereichen trafen.

Der realisierte Entwurf der Braunschweiger Architektengemeinschaft Pysall und Rollenhagen ging aus einem Architekturwettbewerb mit zwanzig Beteiligten als Sieger hervor. Gefordert war eine einfache und zweckmäßige Ausführung.

Die beiden Gebäudeteile sind nach Süden zum heutigen Haupteingang stark gegliedert, wo sie ursprünglich einen Forumsplatz umschlossen. Alle Klassenräume liegen im Norden und bilden dort zwei massive Wände. Die raue, kubische und manchmal fast skulpturale Architektur ist charakteristisch für ihre Bauzeit. Sie wird durch fantasievoll gestaltete Außenlagen mit gestaffelten Pausen- und Spielflächen, Innenhöfen und Außenterrassen, Wasserbecken, Pflanztrögen und Stufensitzen ergänzt.

Sichtbetonflächen im Innen- und Außenraum bestimmen als beherrschendes Baumaterial das Erscheinungsbild. Sorgfältig wurden die Betonoberflächen geplant, auf denen sich die Holzschalung mit ihren Brettstößen, Nagelreihen und der Maserung des Holzes regelmäßig abbildete. Leider sind heute alle Oberflächen unter einem später aufgebrachten Anstrich verschwunden.

Ab 01.08.1971 wurden die Schulen zu einer der frühesten integrierten Gesamtschulen in Niedersachsen zusammengeführt. Ein später ergänzter mittlerer Verbindungstrakt ist in dunkelrotem Klinker deutlich abgesetzt. Später entstanden und in den letzten Monaten völlig neu gestaltet, ist auch das Haus D für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. An dieser zentralen Stelle war ursprünglich eine Aula in Form eines Amphitheaters mit 600 Sitzplätzen vorgesehen. Sie wurde leider nie realisiert.