Die Kunst, Welten zu entdecken

Im Gespräch mit Dr. Ralf Beil, dem neuen Direktor
des Kunstmuseums Wolfsburg zum Artikel

1962 Alvar-Aalto-Kulturhaus

Text: Nicole Froberg
Fotos: Ali Altschaffel

„Im Austausch zwischen den Ländern war Finnland lange der hauptsächlich nehmende Teil (…). Das war die Importperiode im Kulturleben Finnlands. In unseren Tagen haben wir diese überwunden. Mich selbst betrachte ich wohl als Exporteur.“
Alvar Aalto, 1972

 
Porschestraße 51
Architekt: Alvar Aalto, Helsinki, Finnland
Entwurf: 1958, Eröffnung: 31. August 1962

Finnland zählt heute zu den Vorbildern in Europa, wenn es um das Thema Baukultur geht. Der Architekt Alvar Aalto (1898-1976) hat mit seinem Werk viel dazu beigetragen. In Finnland wird er fast wie ein Volksheld verehrt. Zwischen 1958 und 1968 war die aufstrebende Stadt Wolfsburg ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt seines Büros. Das Projekt eines Wohnhochhauses auf der Internationalen Bauausstellung in Berlin 1957 hatte ihn in Deutschland einem breiten Publikum bekannt gemacht und letztlich zum Auftrag für ein Kulturzentrum am Rathausplatz in Wolfsburg geführt. Ein Entwurf im Theaterwettbewerb und zwei realisierte Kirchen für Wolfsburg folgten.

Vielfalt ist in allen Bereichen das bestimmende Thema des Kulturhauses. Dies beginnt schon beim Raumprogramm, das 1958 für die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und ein Jugendzentrum ein räumliches Zusammenwirken forderte. Daraus entwickelte Alvar Aalto ein Haus mit vielen kommunikativen Möglichkeiten. Das reicht von den Fensterplätzen im Foyer bis zum offenen Feuerplatz mit fahrbarem Dach, der das Feuer als ursprünglichsten Ort der Begegnung mitten im Gebäude platzierte. Die Nutzung hat in vielen Teilen gewechselt. Die kulturelle Vielfalt ist aber erhalten geblieben und soll sich weiterentwickeln.

Schenkt man der Architektur einen zweiten Blick, so findet sich auch hier eine beeindruckende Vielfalt – in den Baudetails und Materialien, der Lichtführung und dem Mobiliar. Der nordische Architekt, in dessen Alltag der Umgang mit Licht natürlich noch eine viel größere Bedeutung haben musste, hat hier eine einzigartige Welt aus Oberlichtern und Lampen geschaffen. Die weitläufige Bibliothekslandschaft kommt dank zahlreicher Oberlichter fast ohne Außenfenster aus.

Jede Lampe, jede Türklinke und jedes Möbelstück ist ein Unikat und ebenso präzise wie funktional für diesen Ort entwickelt worden. Das gilt für die blauen Keramikwände im Hauptfoyer mit ihrer runden Fußbodenleiste ebenso wie für die Hörsaalstühle mit einer Bespannung aus schwarzem Rindsleder oder den Treppenhandlauf aus Holz- und Messingteilen. Kein bunter Anstrich, sondern das Zusammenspiel der Materialien erzeugt die Farbigkeit und Atmosphäre der Räume. Selbstverständlich steht das Gesamtkunstwerk mit allen Details unter Denkmalschutz.