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Ein Gespräch mit dem Wolfsburger Tätowierer
Oliver Fiedler zum Artikel

1951 VW-Bad

Text: Nicole Froberg
Fotos: Ali Altschaffel

„Die in den Plänen dargestellte Parkbad-Anlage soll auf dem Geländes des „Kuh-Berges“ erbaut werden als Stätte der Gesundung, der Entspannung und der Erholung für die Einwohnerschaft der Stadt Wolfsburg. In seltener Naturschönheit, eingerahmt von herrlichen Waldungen, ist die Gesamtanlage windgeschützt in unmittelbarer Nähe der Stadt gelegen, mit einem Ausblick auf die Waldungen und das Stadtgebiet.“Otto Immendorff, Architekt für Bäderbau, Hildesheim,
Baubeschreibung 6.3.1952

 
Berliner Ring
Architekt: Otto Immendorff, Grünplanung: Wilhelm Heintz

Das wunderschön angelegte Park-Schwimmbad im Hasselbachtal wie auch der Tennisclub „Grün-Gold“ sind bauliche Symbole für das Engagement des ersten VW-Vorsitzenden Heinrich Nordhoff, der als Ausgleich zur Monotonie der Produktionsarbeit den Ausbau von Freizeit- und Kultureinrichtungen für seine Arbeiter unterstützte. 1951 stiftete das Volkswagenwerk der Stadt ihre erste Badeanstalt, das heutige VW-Bad. Erklärtes Ziel war eine der schönsten und modernsten Freibadanlagen Deutschlands zu schaffen. Sie ersetzte die bisherigen provisorischen Bademöglichkeiten im Mittellandkanal und am Schillerteich.

Die Pläne fertigte der Hildesheimer Schwimmbad-Spezialist Otto Immendorff in Zusammenarbeit mit dem Garten- und Landschaftsplaner Wilhelm Heintz an. Seine Leistung bestand neben der Grünflächengestaltung vor allem in der Auswahl des Standorts. Er schlug ein besonders reizvolles Areal im Hasselbachtal am Rand des Stadtwalds vor, der Windschutz für das Freibad bietet. In der Wiese des Waldbads, vor allem aber in der auffälligen Formation der Drei Steine südlich des Freibadgeländes tritt an mehreren Stellen Sandstein zu Tage, der die Landschaft bereichert.

Beim Bau, der in nur neunzig Tagen fertig gestellt wurde, bettete Architekt Otto Immendorff die erforderlichen Räume wie Kassenhaus, Restaurant und Umkleiden in diese Landschaft ein. Die L-förmige Anlage umfasst das Gelände nach Norden und Westen, während es sich nach Süden zum Wald öffnet. Halbrunde Pavillons gliedern die lange Gebäudeflucht in mehrere Abschnitte und dominieren die ansonsten sehr klare, geometrische Architektur. Sprungturm und Rutsche sind als Skulpturen aus Beton gestaltet. Der 10-Meter-Turm neigt sich zum Wasserbecken und scheint fast zum Absprung bereit, während die über einem Kreis geformte Rutsche des Kinderbeckens Dynamik und Schwung zum Ausdruck bringt.

Heute steht die Gesamtanlage einschließlich des wertvollen Baumbestandes unter Denkmalschutz. Das Bild der Becken hat sich nach sechzig Jahren und mehreren Sanierungen deutlich verändert. Verschwunden ist insbesondere die filigrane Konstruktion der Brücke als Abtrennung zum Sprungbereich.