Der eigenwillige
Herr Schneider

Ein Gespräch mit Christian Schneider, dessen Vater eine der größten 35mm-Filmsammlungen in deutscher Sprache zusammengetragen hat zum Artikel

1938-40 Steimker Berg

Text: Nicole Froberg
Fotos: Ali Altschaffel

„Da ich selber kaum etwas entwerfen, sondern nur Anregungen geben konnte, war ich auf die Stilarten angewiesen, die meine Mitarbeiter beherrschten. (…) Man kann ja eine Stadt nicht wie aus der Wurstpresse nach einer Handschrift formen. Es brauchte Abwechslung und alle möglichen Spielformen, die aber trotzdem gut nachbarlich zusammenstehen mussten.“
Peter Koller, Leiter des Stadtbaubüros der „Stadt des KdF-Wagens“, Manuskript „Zur Geschichte der Neuland“, 1988

 
Ahornweg 1-36, Alte Landstraße 1-79, Am Wiesengrund 1-55, Birkenweg 1-51, Buchenpfad 1-13, Kiefernweg 1-7, Unter den Eichen 1-92 und Waldpfad 1-32
Siedlungsplanung: Peter Koller, Titus Taeschner , Landschaftsarchitektur: Wilhelm Heintz

Anfang der 80er-Jahre wurden große Teile des Stadtgebiets der Gründungs- und Aufbauzeit unter Denkmalschutz gestellt. Die Liste der Baudenkmale für das Gebiet der Stadt Wolfsburg einschließlich der Ortsteile verzeichnet aktuell 1.581 Denkmale. Dazu zählen 109 Gruppen baulicher Anlagen mit insgesamt 1.431 ausgewiesenen Einzelobjekten. Dazu heißt es: „Pflanzen, Frei- und Wasserflächen in der Umgebung eines Baudenkmals und Zubehör eines Baudenkmals gelten als Teile des Baudenkmals, wenn sie mit diesem eine Einheit bilden.“ Dem Steimker Berg kommt als ältestem Siedlungsgebiet eine besondere Rolle zu. Die Planer des Stadtbaubüros entwickelten nach Stadtgründung zunächst ein idyllisch-beschauliches Wohnquartier in landschaftlich besonders reizvoller Lage für die künftigen Führungskräfte. Die Waldsiedlung am unmittelbaren Ostrand des damaligen Stadtgebiets, dem „Hasselbachtal“, ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Integration. Die Häuser sind unter größtmöglicher Erhaltung des vorhandenen Baumbestands in einen leicht bewegten Südhang eingefügt. Sie wurden nicht als private Eigenheime geplant, sondern wie alle Wohngebäude der „Stadt des KdF-Wagens“ als öffentlicher Wohnungsbau errichtet und an die Bewohner vermietet.

Die Architektur der Siedlung entspricht dem traditionalistischen NS-Ideal, das von den Vertretern der Moderne abfällig als „Heimatschutzstil“ bezeichnet wurde. Ein kleiner Marktplatz bildet den städtebaulichen Mittelpunkt. Hier zitiert eine axial angeordnete Tordurchfahrt mit einem darüber angeordneten Uhrtürmchen und aufgeputzten Quadersteinen das Bild eines alten Gutshofs. Ganz offensichtlich ist eine beschauliche, bürgerlich-kleinstädtische Gesamtwirkung angestrebt.

Die Bauten sollten „anständig und werkgerecht“ hergestellt sein. Zehn verschiedene Haustypen wurden rechteckigen Grund­rissen ohne Vor- und Rücksprünge entwickelt und mit einem 50 Grad geneigten steilen Satteldach versehen. Auffällig gestaltete Hauseingänge mit Natursteineinfassungen, zweiflügelige Sprossenfenster vor kleinen Öffnungen und Klappläden bestimmen das Bild. Original ist ein pastellfarbener Anstrich der geputzten Fassaden.