Auf Bildung bauen

Im Gespräch mit Julia Leusmann und Friederike Jörke
über das neue Bildungshaus zum Artikel

Hasselbachtal

„Wald hat Zeit und folgt keiner Norm – zwei der vielen Gründe, weshalb Menschen ihn als Ort der Ruhe, für Erholung oder Sport aufsuchen. Er ist bereichernder Kontrast zur Stadt und dem Alltags- und Berufsleben.“
Dirk Schäfer, Leiter Revierförsterei Rothehof mit Stadtforst Wolfsburg, 2015
Text: Nicole Froberg   Fotos: Ali Altschaffel

 
1 / Die Tommy-Quelle im Hasselbachtal.
Der Austritt einer natürlichen Quelle am Fuße des Hangs wurde 2011 mit einer Mauer aus Velpker Sandstein eingefasst
2 / Der Stemmelbach ist einer der wenigen Bäche, die ganzjährig Wasser führen. Sein Zulauf in den Stemmelteich wurde renaturiert
3 / Treppenaufgang von der „Tommy-Quelle“ zum Arboretum. Respektvoll spart der Handlauf den Standort der Hainbuche aus
4 / Die breite, schnurgerade Rothehofer Trift bildet die Hauptachse im Stadtforst und einen akzentuierten Kontrast zur Formenvielfalt der Waldnatur
5 / Die Hasselbachwiesen sind eine reine Kulturlandschaft, die aber auch viele Orchideenarten beheimatet. Hier kann der Blick weit schweifen

Die grüne Lunge der Stadt und einer der wichtigsten Erholungsräume ist der Stadtwald, der neben seiner Nutz- und Schutzfunktion auch als Freizeitwald ausgebaut wurde. So sind die Wege zum Radfahren, Laufen und Spazierengehen, aber auch die Aussichts- und Verweilpunkte keineswegs zufällig entstanden, sondern angelegt und gestaltet. Ziel ist es nicht, den ganzen Wald zu möblieren, sondern Situationen zu erkennen und ihre Qualitäten hervorzuholen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies im Hasselbachtal.

Der vielleicht schönste Fußweg durch den Wald führt zur Tommy-Quelle, einer natürlichen Quelle, die Teil des Wasserlehrpfads im Hasselbach ist und 1984 erstmals hergerichtet wurde. In bewegtem, leicht hügeligem Gelände schlängelt sich der Pfad über den Waldboden – ein fast märchenhaft einsames Idyll, in das der Mensch nur mit wenigen Mitteln behutsam eingegriffen hat. Eine Mauer aus Velpker Sandstein umschließt in einem Halbkreis den Austritt des Wassers am Fuß eines kleinen Hanges. Den bewussten, fast liebevollen Umgang zeigen die Details. Kein gerader Handlauf, sondern ein gewachsener Ast aus Robinienholz begleitet die Treppe den Hügel hinauf und umkurvt dabei eine kleine Hainbuche. Am oberen Ende der Treppe liegt der Eingang zum Arboretum, einer Sammlung heimischer und exotischer Bäume und Sträucher, die der Stadtforst Anfang der 1990er-Jahre angelegt hat. Der Waldbesucher kann hier eine Menge lernen.

Eine komplett andere Qualität des Waldes findet man an den Hasselbachwiesen am Ende der Rothehofer Trift. Hier kann man die Weitläufigkeit des Waldes herausragend erleben. Doch auch in diesem Fall täuscht der erste Eindruck. Was bewusst natürlich aussehen soll, ist tatsächlich eine reine Kulturlandschaft. Die Wiesenfläche wird bewusst freigehalten gegen die Natur. Denn der Wald versucht ständig, sie zurückzuerobern. Die Mittel der Inszenierung sind der Gestaltung englischer Landschaftsparks seit dem 18. Jahrhundert entliehen, wichtig sind Sichtachsen und Blickbezüge. Typisch ist auch das Spiel mit der Neugier: Die Wiese verschwindet rechts im Hintergrund, geht sichtbar weiter und weckt Lust auf die Suche nach ihrem Verlauf. Im Sommer lädt eine Liege zum Bleiben ein.

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› Führungen durch das Arboretum (ca. 1,5 Std.)
24.04., 19.06., 10.07.2015, jeweils 16.00 Uhr
Teilnehmerzahl begrenzt. Anmeldung unter
Tel. 05363-72368 oder Ronaldvon.Muenster@nfa-wolfenb.niedersachsen.de