Im Nebel

Ein Gespräch mit Frank Rauschenbach,
Geschäftsführer des Hallenbades zum Artikel

Gärten der Nationen & Stadtachse Westhagen

Dresdner Ring, Westhagen. Wettbewerb 2003, Umsetzung 2004 - 2014
Valentien + Valentien Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, München

„Das (…) umgesetzte Konzept einer zentralen, baumbestandenen Promenade mit platzartigen Aufweitungen, Flächen für Sport und Spiel sowie den Gärten der Nationen überzeugt durch seine klare Linienführung und die daraus resultierende Übersichtlichkeit. Auch der aktuelle Rückbau der die Achse querenden Straße zugunsten von mehr Grün dürfte zu einem Imagegewinn des Stadtteils beitragen.“
Niedersächsischer Staatspreis für Architektur, 2010 / Projekt der „Engeren Wahl“, Urteil der Jury
Text: Nicole Froberg   Fotos: Ali Altschaffel, IZS, Tautzl

 
1 / Blick zurück nach Westhagen. Die Landmark bildet den Endpunkt der neu gestalteten Stadtachse. Die Farbe Rot ist ein wiederkehrendes Gestaltungsmittel
2 / Gärten der Nationen. Das Projekt ist gleichzeitig Erholungspark, Nutzgarten und Experimentierfeld auf einem Gelände außerhalb des Dresdner Rings
3 / Querung des Dresdner Rings. Die Promenade setzt sich formal über die Straße hinweg fort und erobert einen Teil des Straßenraums zurück
4 / Freiraumgestaltung an der Stadtachse. Strenge Linien und Geometrien, aber auch das Material Sichtbeton greifen die Architektur der 70er-Jahre auf
5 / Strenge Reihe der Platanen an der Stadtachse. Sie betonen die Wege- und Blickbeziehung zwischen Marktplatz und Dresdner Ring
6 / Westhagen, Stadtachse und Gärten der Nationen, Lageplan. Entwurf: Valentien + Valentien Landschaftsarchitekten und
Stadtplaner, Weßling
7 / Modell der Innenzone von Westhagen, Ansicht von Westen, 1970

Der Stadtteil Westhagen im Süden des Wolfs­burger Stadtgebiets entstand ab En­de der 60er-Jahre in der Zeit der ersten Wirtschaftskrise der jungen BRD. Auch das Volkswagenwerk und die Stadt bekamen dies zu spüren. Die Folge: rationalisierte Bauweisen und Kostenersparnis beim Bau von rund 4.300 Wohnungen für damals geplante 15.000 Einwohner. Mitte der 70er-Jahre verabschiedete man sich in den letzten Quartieren von diesem Leitbild der „Urbanität durch Dichte“.

Seit 15 Jahren wird die Stadterneuerung Westhagen aus Bundes- und Landesmitteln gezielt gefördert. Eines der wesentlichen Anliegen war es von Anfang an, die öffentlichen Räume im Stadtteil zu verbessern. Sie sollten mehr Aufenthaltsqualität bekommen und die Begegnung zwischen den Bewohnern fördern. Aus einem landschaftsplanerischen Wettbewerb 2003 stammt das Gesamtkonzept „Landschaft als urbane Strategie“ des Büros Valentien + Valentien, das in der Folge in fünf Abschnitten realisiert wurde.

Um das Zentrum des Stadtteils deutlicher in Erscheinung treten zu lassen, wurde eine lange Stadtachse geschaffen, die den Dresdner Ring als wichtigste umlaufende Verkehrsstraße und den Marktplatz am Schul- und Einkaufszentrum miteinander verbindet. „Grüne Zimmer“ liegen als Sport-, Spiel- und Kommunikationsorte an der Promenade. Strenge Geometrien und Linienführungen, die mit den Kubaturen der Hochhäuser korrespondieren, prägen die Gestaltung. Der Lärmschutzwall in Richtung Autobahn wurde zum Naherholungsangebot für Spaziergänger und Freizeitsportler. Den Endpunkt bildet eine Landmark als vertikales Zeichen.

Wesentlich für das Projekt war eine intensive Zusammenarbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils. Die Idee des Projekts „Gärten der Nationen“ ging daraus hervor. Es schafft privat nutzbare Gartenflächen für die Mietwohnungen und hebt gleichzeitig die vielen unterschiedlichen Nationalitäten des Stadtteils als positiven Moment heraus. Gestalterisch vorgegebene Felder und Fugen setzen den Rahmen, lassen aber ausreichend Freiraum für Nutzungen, die gemeinsam festgelegt wurden.