Das zweitbeste Glück

Gespräch mit Klaus Allofs zum Artikel

Netzwerke

Text: Rita Werneyer

Kein Stoff, kein Material, keine Technik vermag unser sinnliches wie auch mentales Dasein so universell zu berühren wie das Textile – und das gerade in einer Zeit, die durch die zunehmende Virtualisierung immer unsinnlicher zu werden droht.

Installationsansicht Peter Kogler, Ohne Titel, 2008, Sound: Franz Pomassl
Foto: ©mumok/Lisa Rastl


Mit einer historisch weit gespannten Ausstellung widmet sich das Kunstmuseum erneut einem Lebensthema aus Sicht der Kunst: multimedial, interdisziplinär und die verschiedensten Kulturen umfassend.

Wer erwartet, in dieser Ausstellung vornehmlich auf textile Exponate zu stoßen, wird überrascht sein. Man trifft nicht nur auf Kunstwerke, die aus dem Material Stoff gearbeitet sind wie etwa die typischen Strickbilder von Rosemarie Trockel, sondern auch auf Gemälde, die Stoffe ab­bilden, wie die hängende Wäsche in Edgar Degas’ Bild „Die Büglerin“. Oder den üppigen Ball-Entrée, der Marie Henneberg in ihrem Bildnis von Gustav Klimt (1901) in eine textile Wolke hüllt. Videoarbeiten beschäftigen sich mit der Idee des Textilen (Kimsooja) oder tauchen den Betrachter in einen Kosmos sich ständig wandelnder Netze (Peter Kogler). Gezeigt wird abstrakte Ölmalerei, die in ihrer Oberflächenstruktur auf die feinen Faltenwürfe eines Gewandes antwortet, die ein asiatischer Bildhauer im 3. Jahrhundert in die Oberfläche einer steinernen Buddha-Statue gemeißelt hat (Pierre Soulages). Darüber hinaus sieht man Objekte, die man sonst nur im Völkerkundemuseum antrifft, wie etwa feine Kubastoffe aus Afrika. Rund 200 Exponate von über 80 internationalen sowie 60 weiteren anonymen, nicht überlieferten Künstlern umfasst diese groß angelegte Ausstellung. Darunter hochkarätige Gemälde von Gustav Klimt, Vincent van Gogh, Edgar Degas, Henri Matisse, Paul Klee und Jackson Pollock. Gezeigt werden auf rund 2.700 Quadratmetern Ausstellungsfläche aber auch Artefakte, die keine namentlichen Schöpfer kennen, wie zum Beispiel ein gewobener Stoff aus dem alten Peru aus der Sammlung von Anni Albers.

Der „Kosmos Textil“ reicht jedoch weit über die Kunst hinaus und betrifft unser Verständnis der Welt fundamental. „Menschsein heißt Leben mit Stoff“, sagt die Textilforscherin Beverly Gordon.

Kunst & Textil – Stoff als Material und
Idee in der Moderne von Klimt bis heute
12. Oktober 2013 bis 02. März 2014

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