Zwischen Arduino
und Adrenalin

Die Phaenomenale erfindet sich neu zum Artikel

Rutschen, sausen und entdecken

Text: Katharina Gieße
Foto: Sebastian Bisch

Mobiversum heißt die neue Spiellandschaft im Konzernforum der Autostadt. Sie soll aber nicht nur Kinder aller Altersstufen begeistern, sondern auch Eltern in Bewegung bringen. Sie soll Familien die Möglichkeit geben, gemeinsam freie Zeit zu erleben und zu gestalten. Geht dieses Konzept auf? Autorin Katharina Gieße will es wissen.

 
Gemeinsam mit meinen Söhnen Karl (5) und Otto (2) begebe ich mich ins Mobi­versum – und gelange in eine Spielwelt für Kinder, die nicht aus bunten Plastikrutschen und lauten Automaten besteht. Ich befinde mich in einer Welt aus Holz, warmen Farben und fantasievollen Formen, zusammen mit meinen Kindern.

Im Gegensatz zu mir wissen Karl und Otto sofort, was zu tun ist, als wir die riesige Bewegungsskulptur im Mobiversum entdecken. Schuhe aus und los! Ich muss zunächst noch staunen. Was für eine Spiellandschaft! Sie erinnert an Baumstämme und Wurzeln und ist dabei so offen und großzügig gestaltet, dass auch ich als Erwachsene auf Erkundungstour gehen möchte.

In diese Spiellandschaft passe ich hinein und hindurch! Ich muss mich nicht quetschen und zwängen, sondern kann der Aufforderung von Karl ganz entspannt nachkommen. Denn kaum ist er die Skulptur hinaufgeklettert, höre ich seine Stimme: „Mama, komm’ mal her. Ich will dir die schnelle Rutsche zeigen. Die ist voll cool!“ Und während Karl die Speed-Rutsche hinuntersaust, hat Otto seine eigene kleine Rutsche gefunden, inmitten der Skulptur. „Juhhuu“, ruft er, als er dieses kleine Stück glattes Holz hinuntergleitet. Auch wenn er die Speed-Rutsche den großen Kindern überlässt, die oberste Ebene der Skulptur will er erkunden, flink und sicher krabbelt er empor, bis zur Fallgrube, über die sich zwei Balancierbänder spannen. Dass er dieses Gebiet noch nicht erobern kann, erkennt Otto sofort. „Mama, mach’ du mal“, sagt er. Und Mama macht. Während ich noch mit meinem Gleichgewicht kämpfe, ist Otto längst in einer Höhle unter mir verschwunden und Karl höre ich rufen: „Ich bin bereit, ich rutsche jetzt!“

»Ich befinde mich in einer Welt
aus Holz, warmen Farben
und Fantasievollen Formen.«

Nach etwa einer Stunde stellen sich Karl und Otto der nächsten Herausforderung: Sie haben die außergewöhnlichen Fahrmaschinen im Mobiversum entdeckt. Genau wie bei der Bewegungsskulptur geht es bei den eigens für die Autostadt entwickelten Fahrgeräten darum, Bewegung neu zu entdecken. Die großen Fahrzeuge mit Namen wie Dreisel oder Raupenrad können Karl und Otto noch nicht steuern, aber die Funcarts! Sogar Otto schafft es, dieses ungewöhnliche Dreirad zu bedienen. Ein Lenkrad gibt es nicht. Stattdessen befindet sich jeweils an den Seiten ein Hebel. Die Fahrzeuge im Mobiversum sind so konstruiert, dass nicht unbedingt sofort ersichtlich ist, wie sie funktionieren. Karl und Otto probieren es einfach aus. „Jetzt weiß ich, wie das geht“, ruft Karl freudestrahlend. Und gibt Gas. Sein Bruder macht es ihm nach, die beiden drehen Runde um Runde, immer wieder schlagen sie andere Richtungen ein, versuchen das gleiche Tempo zu fahren oder sich gegenseitig zu überholen.

Nach zwei Stunden Bewegung verspüren die Kinder immer noch keinen Hunger – bis sie das Wort „Pizza“ von mir hören. Ein Blick in die Kochschule, die in der Woche für Schulklassen und am Wochenende für Familien geöffnet ist, macht den Kindern Appetit. Wir nehmen im Familienrestaurant „Pizza Amano“ Platz, jeder auf einem für seine Größe passenden Stuhl. Karl nimmt stolz das Angebot des Restaurants an und belegt seine Pizza selbst. Er darf den Teig sogar kneten und formen. Dann gestaltet er sein Essen ganz nach seinem Geschmack. Und nach nur fünf Minuten steht die frisch gebackene Pizza vor ihm auf dem Tisch. Kaum hat er sie aufgegessen, rennt er wieder los um zu spielen. Otto und ich beobachten Karl aber nicht aus der Ferne. Wir sind mittendrin, wir können von nahezu jeder Sitzgelegenheit sehen und hören, was geschieht: Karl fährt wieder Funcart, er wuselt sich durch die Lücken, die größere Kinder und Erwachsene auf ihren tollen Rädern ihm lassen – bis ihm einfällt, dass er doch unbedingt noch einmal klettern und rutschen und hangeln muss, bevor wir nach Hause fahren.

Zum Basteln an den Werkstationen im Mobiversum kann ich meinen Sohn nicht überreden. In einem Tagesworkshop stellen Kinder hier gerade Schmuck her. Eine Beschäftigung, die Karl durchaus mögen würde. Aber die Kletterlandschaft ist zu verlockend. Karl will sich bewegen, er will all die verschlungenen Wege entdecken, sich in die Matte fallen lassen, wenn er aus der Rutsche saust, ganz oben sein und überlegen, welchen Weg er dieses Mal nach unten nimmt.

Auch das 3D-Kino bleibt bei unserem ersten Mobiversum-Besuch außen vor. Rolli und Stella, die Außerirdischen vom Planeten Sinus, werden wir vielleicht beim nächsten Mal kennenlernen. Oder wir schauen uns den Kurzfilm „Hast du den Entdeckerblick?“ an, vielleicht wollen Karl und Otto dann mehr über Alltagsphänomene erfahren. Oder aber sie wollen sich wieder nur bewegen, die Skulptur erklimmen, Funcart fahren. Ihre Meinung zu unserem Vormittag im Mobiversum jedenfalls steht fest: „Das hat Spaß gemacht. Wir kommen wieder!“

Weitere Informationen erhalten Sie unter
www.autostadt.de