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Neue Akzente

Text: Marc Halupczok
Foto: Ali Altschaffel

Das Jugendtheater pendelt im neuen Jahr zwischen Hallenbad und Black Box. Bernd Upadek, Leiter der Jugendsparte des Theaters, verrät spannende Details zur neuen Spielzeit und die durch den Theaterumbau verursachten Veränderungen.

Bernd Upadek spricht über die neue Spielzeit


Die Arbeit des Jungen Theaters Wolfsburg geht natürlich trotz der Sanierungsarbeiten im Scharoun-Bau weiter, nach dem Umzug in die Porschestraße haben Sie sogar den Blick in die Fußgänger­zone. Lenkt so ein Wechsel ab oder lebt man sich schnell ein?
Wir sind bereits im letzten August umgezogen, was anfangs gar nicht so leicht war, mittlerweile haben wir uns aber bestens eingelebt. Viel wichtiger als der Ortswechsel ist ohnehin, dass das professionelle Kinder- und Jugendtheater in Wolfsburg immer besser angenommen wird. Wir haben 24 Partnereinrichtungen, zumeist Schulen, demnächst wird auch eine Kindertagesstätte hinzukommen. Es gibt ein Familienabonnement, wir spielen Vorstellungen im kleineren Rahmen und im Großen Haus, viele davon ausverkauft. Und wir waren mit unserer sechsten Theaterwerkstatt die letzten, die vor der Generalsanierung im Theater gespielt haben. Das habe ich schon als Anerkennung für unsere Arbeit empfunden.

Diese Arbeit geht ja weit über das Buchen von Veranstaltungen hinaus.
Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist sehr wichtig. Wir veranstalten Einführungen, Workshops und unterstützen Theater-AGs, geben den Schülern und Lehrern Tipps. Als Außenstehende erreichen wir die Kinder und Jugendlichen häufig schneller als die Pädagogen, die jeden Tag mit ihnen zusammen sind. Die Nachfrage ist hoch, wir freuen uns darüber. Dazu kommen noch Konferenzen, Vorträge und viele weitere Aufgaben. Wir haben in Wolfsburg mit dem Jungen Theater eine eigene Sparte etabliert.

Teile des Programms wurden in den letzten Jahren im Hauptgebäude gespielt, andere im Hallenbad. Wo werden die Stücke in der nächsten Saison aufgeführt?
Das Hallenbad bleibt als regelmäßiger Spielort erhalten. Über 50 Prozent der Stücke werden dort aufgeführt. Als neue Location haben wir die Black Box im Congress Park, die uns auch ganz neue Möglichkeiten bietet. Ich könnte mir dort Veranstaltungen auch nach Abschluss der Sanierungsarbeiten vorstellen, weil wir mit diesem Spielort noch flexibler sind.

Trotz der ungewohnten Situation befinden sich wieder diverse Highlights im Programm. Worauf sollten Interessierte besonders achten?
Wir setzen auf eine Mischung aus Bewährtem und Neuem. Es ist immer schwer, einzelne Produktionen herauszustellen, aber es gibt sicherlich einige besondere Momente. So haben wir zum ersten Mal drei englischsprachige Stücke für drei verschiedene Altersgruppen im Programm. Auch das sehr populäre Atze Musiktheater Berlin ist wieder mit mehreren Stücken vertreten, ebenso wie das Theater Stückwerk, etwa mit „König & König“ für Kinder ab vier Jahren. Besonders stolz sind wir auch darauf, „Die Nibelungen“ noch zweimal zeigen zu können. Das preisgekrönte Stück war in ganz Deutschland ein großer Erfolg und bereits ausgelaufen. Aber für uns hat die Comedia Köln eine Ausnahme gemacht.

»Mit dem neuen Spielort
haben wir neue Möglichkeiten,
sind noch flexibler.«

Welche Kriterien spielen denn eine Rolle, wenn eine neue Spielzeit geplant wird? Sind es die bekannten Stücke, die als Zugpferde dienen?
Natürlich tun sich die Zuschauer leichter, wenn sie den Titel eines Stückes kennen. Aber wir achten auch bei bekannten Stoffen wie „Das doppelte Lottchen“ oder „Rapunzel“ immer darauf, dass die Inszenierung pädagogisch und künstlerisch einen Mehrwert bietet. Lieblos dargebotene Kinder- und Jugendtheaterstücke entsprechen nicht unserem Anspruch. Für die etwas älteren Zuschauer ab 15 Jahren haben wir zum Beispiel „K.R.I.E.G“ im Programm. Der Untertitel „Ein Stück zur Zeit“ spricht für sich, das Thema ist leider hochaktuell. Die Inszenierung bietet die Möglichkeit, sich eine Meinung zu bilden und sich auszutauschen. Das kommt heute oft zu kurz. Es wird zudem einen Brecht-Abend geben, der Aha-Erlebnisse liefern wird. Gleiches verspreche ich mir von „Der Umbrella Code“, in dem es um den Widerstand und die Verfolgung der Swing-Jugend im Dritten Reich geht. „Crystal – Variationen über Rausch“ ist ein Tanztheaterstück über Drogen, inhaltlich und ästhetisch eine ganz neue Herangehensweise. „Der Junge im Bus“ kam in den letzten Jahren sehr gut an und begeisterte dank der Intimität auch Jugendliche, die sonst nie ein Theater besuchen würden. Deshalb gibt es in dieser Saison zusätzlich zwei Abendvorstellungen im Familienabonnement, damit auch Eltern mit ihren Kindern und andere Interessierte die Vorstellung besuchen können.

Wie viele Stücke werden in der Saison 2014/2015 überhaupt gespielt?
Wir werden 87 Vorstellungen haben, das Weihnachtsmärchen noch nicht mitgerechnet. Davon sind 23 Vorstellungen Eigenproduktionen des Jungen Theaters. Ein Wert, auf den wir durchaus stolz sind. Aber wir wollen ihn in Zukunft noch steigern. Aktuell haben wir aufgrund der Umbauten keine Probebühne, aber spätestens zur Wiedereröffnung des Theaters werden wir da neue Akzente setzen. Man darf gespannt sein.

Weitere Informationen erhalten Sie unter
www.theater.wolfsburg.de