Vollstark

Im Gespräch mit Max Müller über Punk,
Musik und Wolfsburg zum Artikel

Wachsen wie ein Baum

Text: Annette Siemer
Foto: Ali Altschaffel

Pädagogische Mitarbeiter der städtischen Kitas in Wolfsburg haben ein besonderes Heft entwickelt. Es dokumentiert die kindlichen Entwicklungsschritte und stellt dabei die Stärken der Kinder in den Fokus.

 
Krippe und Kindergarten wollen heute mehr sein als Einrichtungen, in denen berufstätige Eltern ihre Kinder gut behütet wissen. Sie sind Orte der frühkindlichen Bildung und Förderung. Um die Entwicklungsschritte der Kinder zu dokumentieren, haben die pädagogischen Mitarbeiterinnen der städtischen Kinder­tagesstätten im Jahr 2009 eine Dokumentationsmappe mit dem schönen Titel „Wachsen und Reifen“ entwickelt. Sie ist so erfolgreich, dass inzwischen rund 100 Kindertagesstätten in Deutschland, insbesondere in Niedersachsen, damit arbeiten.

Was macht das Heft so attraktiv? „Es betrachtet die kindliche Entwicklung ganzheitlich“, sagt Diana Hein, Fachgebietsleiterin der städtischen Kitas. Sinnbild dafür ist der Baum. So wie Bäume wachsen und mehr und mehr Früchte tragen, so gewinnen auch Kinder immer neue geistige und körperliche Fähigkeiten hinzu. In der Dokumentationsmappe sind deshalb neun Bäume abgebildet – entsprechend der neun Bildungsbereiche des niedersächsischen Orientierungsplans für Kindertagesstätten, zu denen unter anderem „emotionale Entwicklung und soziales Lernen“, „Sprache und Sprechen“, „Körper – Bewegung – Gesundheit“ oder „mathematisches Grundverständnis“ zählen.

Jedem der neun Bäume sind zwischen 20 und 30 Fähigkeiten zugeordnet. „Die Formulierungen sind einfach und verständlich, so dass wir die Dokumentation zusammen mit den Kindern ausfüllen können“, sagt Regina Piazza-Knabe, stellvertretende Leiterin der Kita am Schlosspark. Das geschieht einmal im Jahr, dann werden zutreffende Aussagen wie diese bunt ausgemalt: „Du kannst warten bis du dran bist“. „Du erfindest eigene Geschichten.“ „Du zählst Tage und Monate auf.“ „Du hast ein Lieblingstier und weißt viel darüber.“

Die Dokumentation sei nicht nur ein gutes Instrument für die Erzieher, die Anregungen für ihre pädagogische Arbeit erhielten, sondern gebe Eltern die Sicherheit, dass ihr Kind individuell betrachtet und gefördert werde, sagt die Kita-Leiterin Rosa Schreier. „Die Eltern sind ganz begeistert von der ‚Personalakte‘ ihrer Kinder“, sagt Regina Piazza-Knabe.

Mittlerweile ist die vierte Auflage erschienen, mit einer wichtigen Neuerung: Kleine Schultüten markieren jene Fähigkeiten, die Kindern helfen, sich in der Schule zurechtzufinden. „Das ist besonders hilfreich, wenn es um die Frage geht, ob ein Kind schulreif ist oder nicht“, sagt Diana Hein.