Wie eine Zirkusdirektorin

Interview mit Christel Rothe, der scheidenden Leiterin des Galerie Theaters Wolfsburg zum Artikel

Wechseldrama

Auch wenn der vorläufige Auszug aus dem Theater so manchen etwas wehmütig stimmen mag, ist die Freude darüber groß, für die Zeit der Sanierung gleich nebenan im Congresspark eine neue Spielstätte gefunden zu haben.

Atemlose Percussion-Show der neuen Generation mit Scrap Arts Music aus Vancouver


Ein klassisches Drama hat eine Spannungskurve – genau dieser Verlauf ist das Aufregende und Anregende, das uns Zuschauerinnen und Zuschauern am Theater so gut gefällt. Dafür arbeiten die Leute am Theater hart, so auch in diesem Falle. Sie haben um die congressparkeigenen Veranstaltungen herum einen Spielplan geschaffen, so vielseitig wie es nur möglich war. Wer Freude am Spiel auf der Bühne hat, wird auch in Zukunft Theater genießen können. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass alle Abonnementsreihen komplett bedient werden können – was anfangs schier unmöglich schien.

Im Congresspark bietet sich der große Saal für die großen Theatervorstellungen an, im kleinen Saal und in der „BlackBox“ werden Stücke gespielt, die bis dahin auf der Hinterbühne im Theater liefen. Viele vorbereitende Gespräche, Begehungen und detaillierte Abklärungen waren nötig, bei der die Theatermannschaft sehr entgegenkommend und mit großer Hilfsbereitschaft vom Congresspark-Team unterstützt wurde. Nur so konnte das Fundament für einen Theaterspielplan geschaffen werden, der in seinem Inhalt jede Vorliebe bedient.

So gibt es eine Reihe wunderbarer Schauspiele und Komödien mit Stars wie etwa Katharina und Anna Thalbach, Doris Kunstmann, Anita Kupsch oder Walter Sittler, Helmut Zierl und Oliver Mommsen.

Auch die „Specials“ haben einiges zu bieten, wie zum Beispiel Jan Plewka mit Songs von Simon & Garfunkel oder Dominique Horwitz mit Liedern von Brel. Joachim Król liest mit jazziger Untermalung „Seide“, Hagen Rether wird wieder einen Abend lang plaudern, Götz Alsmann den Broadway besingen, Ulrich Tukur mit seinen Rhythmus-Boys swingen, Thomas Quasthoff und Michael Frowin machen „Keine Kunst“ und auch Kabarettist Alfons gibt ein Gastspiel.

Einen besonderen Glanzpunkt setzt die Konzertreihe. Das Staatsorchester Braunschweig wird in der kommenden Spielzeit an vier Konzertabenden alle neun Beethoven-Sinfonien spielen. Besonders erfreulich: Mit Stefan Soltesz konnte einer der renommiertesten Dirigenten verpflichtet werden. Zum ersten Mal werden die weltweit gastierenden King’s Singers ein A-cappella-Konzert geben, außerdem tritt das Blechbläserensemble London Brass erstmals in Wolfsburg auf.

Große Stimmen sind in schönen, manchmal auch selten gespielten Opern zu hören. Die aufwändigen Produktionen werden aus bühnentechnischen Gründen halbszenisch aufgeführt, was den Hörgenuss jedoch keineswegs schmälert. So bringt das Landestheater „Otello“ und „Die Zauberflöte“, die Moldawische Staatsoper „Manon“ von Jules Massenet zu Gehör. Wenn bei diesen Aufführungen die Bühnendekoration auch etwas reduziert ist, so treten die Sänger selbstverständlich in ihren Kostümen auf. Das gilt ebenso für die Operetten.

Klassisch und modern ist der Tanz in der kommenden Spielzeit vertreten. „Der Nussknacker“ und „Schwanensee“ werden vom Moldawischen Staatsballett präsentiert, „Ein Sommernachtstraum“ vom Nationalballett Györ. Für den modernen Tanz stehen die River North Chicago Dance Company und die Masashi Action Machine.

Auch Fans des Musicals kommen auf ihre Kosten. Nach „Heiße Zeiten“ wird es nun „Höchste Zeit!“. Die Geschwister Pfister oder Sunset Boulevard, Der kleine Horrorladen, natürlich die Familie Malente, der Cirque Susuma, ein Beatles Revival und die Blues Brothers gehören zum Angebot.

Hervorragend abgedeckt ist im Congresspark auch der A-cappella-Bereich mit großartigen Gruppen wie Maybebop, Viva Voce und The House Jacks.

Ganz verschiedenen Genres gehört eine Vielzahl von Aufführungen an, zu denen Vorstellungen zählen wie „Power! Percussion“ und Scrap Arts Music, irischer Stepptanz oder Varieté und das Traumtheater Salome. Ebenso bezaubernd, aber ganz anders ist das Schattentheater Moving Shadows mit speziellen Bühneneffekten oder Ennio Marchetto mit „The Living Paper Cartoon“.

Konzerte gestalten unter anderem die NDR Radiophilharmonie mit Belcanto 2015, die Wiener Sängerknaben und The 12 Tenors. Etwas schräger wird es mit dem Ukulele Orchestra of Great Britain und erneut mit den wunderbaren Damen von Salut Salon.

Das gesamte Theaterteam setzt voll Optimismus auf die Neugier seines Publikums. Ob Tragödie oder Komödie, nach dem letzten Akt steht das erlösende Ende, an dem sich alle Erzählstränge auflösen. Und die Zuschauerinnen und Zuschauer gehen mit der Frage nach Hause: Wird es das nächste Mal wieder so unterhaltsam und spannend?
[MH]