Im Nebel

Ein Gespräch mit Frank Rauschenbach,
Geschäftsführer des Hallenbades zum Artikel

Kultur für alle!

Die Idee der Kulturloge stammt ursprünglich aus Marburg und basiert auf dem Prinzip der Tafel: Alles, was überschüssig ist, wird an diejenigen weitergegeben, die es sich nicht leisten können. In diesem Fall handelt es sich um Kultur: Die Kulturloge Wolfsburg vermittelt kostenlos Karten für das Wolfsburger Kulturangebot an Bedürftige.
Text: Anna Deileke   Foto: Lars Hung

 
Nachdem sich die Stadt Wolfsburg mit den Kollegen aus Marburg in Verbindung gesetzt hatte, um das Konzept auch nach Wolfsburg zu holen, konnte die Kulturloge im September 2012 zum Leben erweckt werden und – dank vieler positiver Rückmeldungen und Unterstützungsangebote – mit den ersten Freikarten der „Jazzfreunde“ den Grundstein für viele weitere tolle Angebote legen.

Bisher gibt es ungefähr 570 registrierte so­genannte „Kulturgäste“. Noch viel Luft nach oben, findet Gründungsmitglied Willi Dörr. „Wir haben in unserer Stadt ca. 10.000 Menschen, die Transferleistungen, also So­zialhilfe, Hartz IV, Wohngeld oder ähnliches, erhalten. Jeder von denen könnte das Angebot der Kulturloge in Anspruch nehmen. Wir haben noch einen Riesen-Puffer.“

Besonders wichtig ist Elke Binder von der Kulturloge Wolfsburg, dass die Würde des Menschen gewahrt wird. Für die Bedürftigen sei ihre Situation schon schwer genug, da müsse man sie nicht immer und überall als „bedürftig“ betiteln. „Deswegen werden die Veranstaltungskarten auch immer auf den Namen der Kulturgäste reserviert und nie auf die Kulturloge“, erklärt sie. Einziger Wermutstropfen: „Leider sind wir von Seiten des Finanzamtes dazu verpflichtet die Bedürftigkeit zu dokumentieren. Unsere Kulturgäste brauchen sich aber nur bei ihrem sowieso schon vorhandenen Sozialpartner zu melden. Dort bekommen sie dann einen Stempel, den wir als Nachweis brauchen, und damit ist es dann schon ausreichend dokumentiert“, so Binder.

Um das Angebot der Kulturloge nutzen zu können, muss man sich als Kulturgast registrieren lassen. Die Anmeldeflyer hierfür liegen bei allen Partnern aus den sozialen Bereichen aus. Natürlich können dort auch persönliche Präferenzen genannt werden. „In der Datenbank der Kulturloge sind alle Kulturgäste mit ihren persönlichen Wünschen und Vorlieben aufgeführt. Es soll ja für alle passen. Schließlich wollen wir niemanden, der eigentlich lieber zum Eishockey möchte, ins Theater schicken und umgekehrt“, so Dörr. Das Angebot ist also nicht ausschließlich auf Kultur ausgelegt. Denn neben den klassischen Kultur­einrichtungen wie dem Theater Wolfsburg, dem Figurentheater, dem Hallenbad oder dem Galerie Theater stellen auch der Delphin Palast, das Phaeno, das Planetarium, die Jazz-Freunde, der EHC und zukünftig auch der VfL Wolfsburg und das Badeland Freikarten zur Verfügung. Ausgewählt wird ganz gerecht. Wer noch keine Veranstaltung besucht hat, wird bei der nächsten Vergabe von Karten besonders berücksichtigt, wobei die Vermittlung der Karten telefonisch und ganz vertraulich abläuft. Leider kommt es ab und zu vor, dass Kulturgäste nicht zu den Veranstaltungen erscheinen. Daher eine Bitte von Seiten der Kulturloge: „Sollte jemand nicht zu einer Veranstaltung gehen können, weil er krank oder anderweitig verhindert ist, wäre es toll, wenn die entsprechenden Kulturgäste dem Veranstalter absagen würden. Denn so hätten wir noch die Möglichkeit, jemand anderem eine Freude zu bereiten.“ Auf jeden Fall freut sich die Kulturloge über jeden Kulturgast und natürlich auch über jeden Veranstalter, der Karten zur Verfügung stellt.

Falls auch Sie Mitglied im Kulturloge Wolfs­burg e. V. werden möchten oder Interesse haben, Menschen mit geringem Einkommen die Teilnahme am kulturellen Leben in Wolfsburg zu ermöglichen, können Sie sich gerne unter info@kulturloge-wolfsburg.de melden.

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Weitere Informationen unter
www.kulturloge-wolfsburg.de