Die Kunst, Welten zu entdecken

Im Gespräch mit Dr. Ralf Beil, dem neuen Direktor
des Kunstmuseums Wolfsburg zum Artikel

Nicht anders, aber besser

Text: Marc Halupczok
Foto: Lars Landmann

Die Sanierung des Theater Wolfsburg schreitet voran. Bis Ende 2015 wird der Bau am Klieversberg technisch und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Oberflächen und Mobiliar sollen anschließend in neuem Glanz erstrahlen.

 
Die Generalsanierung eines Baudenkmals ist immer auch eine Spurensuche. So manche Frage galt es für den Architekten Winfried Brenne zu lösen, seit die Umbaumaßnahmen im Juni 2014 begonnen haben. Wie kann man die mit Halogen-Glühlampen bestückten Deckenleuchten im Zuschauersaal auf modernste, dimmbare LED-Technik umrüsten und trotzdem das gleiche warme Licht erzeugen? Wo ist im Fassadenbereich eine neue Wärmedämmung erforderlich? Und woher kommt die unterschiedliche Helligkeit der Holzoberflächen im Zuschauerhaus?

Das 1973 eingeweihte Gebäude weist so manche Besonderheit auf. Dazu gehört die Tageslichtversorgung des Zuschauersaals über das große Fenster im hoch aufragenden Saalfoyer. Dieses ist innenseitig mit unterschiedlichen Ornamentgläsern aufwändig gestaltet und lässt sich mit einem Vorhang abdunkeln. Doch nicht nur innen ist das Theater ungewöhnlich, auch außen gibt es einige besondere Details, die erhalten bleiben sollen. So wird beim Flanieren durch das langgestreckte, großzügig verglaste Foyer der Außenbezug zur Stadt mit einem Panoramablick inszeniert. Gleichzeitig wirkt der Wald aus der Sichtachse der Porschestraße wie eine maßgefertigte Kulisse für das Theatergebäude. Dies wird auch nach dem Umbau so sein.

Der spätere Besucher soll in einem der Hauptwerke des Berliner Architekten Hans Scharoun (1893-1972) möglichst wenige Veränderungen bemerken. Vor allem das Problem der Flächengewinnung wird zum Teil unterirdisch gelöst. Das Bühnenhaus „wächst“ durch einen Seitenanbau. Dadurch stehen 375 Quadratmeter mehr Fläche für Lager und 200 Quadratmeter für die Technik zur Verfügung.

Dazu Stadtbaurätin Monika Thomas: „Natürlich soll der Charme des Hauses erhalten bleiben. Wir werden den Scharoun-Bau nicht entscheidend verändern. Alles soll hinterher so aussehen wie vorher, nur noch besser nutzbar und technisch wie energetisch auf der Höhe der Zeit sein.“

»Natürlich soll der Charme des Hauses erhalten bleiben. Wir werden den Scharoun- Bau nicht entscheidend verändern.«

Jetzt, Anfang 2015, lässt sich sagen, dass die Maßnahme gut vorangeht, alle Arbeiten werden fristgerecht durchgeführt. Insgesamt sind fast 40 Firmen beteiligt. Die Leistungen werden in einem offenen Verfahren europaweit ausgeschrieben, auch Spezialisten aus ganz Deutschland arbeiten am Bau.

Kulturdezernent Thomas Muth zeigt sich zufrieden: „Alle Arbeiten bewegen sich im vorgegebenen Zeit- und Finanzrahmen. Rund 75 Prozent der Leistungen sind inzwischen beauftragt. Nach erfolgter Sanierung ist das Wolfsburger Theater, eines der wichtigsten Kulturgebäude in unserer Stadt, für die Zukunft gut ausgerichtet.“ So wird im Zuge der Sanierungsarbeiten auch die Saaldecke des Zuschauerraums stabilisiert und modernisiert. Dafür musste ein Kletterteam aus Dresden anreisen, das die Arbeiten in der Luft geradezu akrobatisch hängend fertigstellte. Auch die Drehbühne wurde abgebaut und durch eine modernere Konstruktion ersetzt. Im Laufe der Arbeiten hat man zudem festgestellt, dass die Wandvertäfelung im Zuschauerhaus von einer Lasur befreit werden muss, damit das Eschenholz wieder gleichmäßig im satten Holzton erstrahlen kann.

Da das Theater durch das Niedersächsische Landesdenkmalamt seit 1984 als Baudenkmal eingestuft ist, werden alle Erneuerungen mit einem Expertenteam abgestimmt und von der Fachwelt kritisch beobachtet. Die Erhaltung der Bausubstanz und die Restaurierungen des architektonisch herausragenden Innenraums stehen dabei an erster Stelle.

Spannend ist die Veränderung im Bereich Bühnen- und Gebäudetechnik – hier allein werden 13 Millionen Euro investiert. Die Digitalisierung gewinnt auch auf der Bühne stark an Bedeutung: Licht, Ton und Bühnentechnik werden auf den neuesten Stand gebracht. Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass ein neu gekauftes Smartphone bereits nach einem halben Jahr veraltet ist. Ganz so schnell geht es bei Theatern nicht, aber der Zahn der Zeit hat auch am Klieversberg genagt. So wird das Thema Sicherheit im Rahmen des Umbaus berücksichtigt und Verbesserungen durchgeführt.

Einige Monate müssen sich die Besucher noch gedulden: Das Gebäude soll im November 2015 fertiggestellt sein. Doch die Theater GmbH und die Stadt bemühen sich, besonders Wissbegierige auf dem Laufenden zu halten. Dazu Marita Stolz vom Theater Wolfsburg: „Gemeinsam mit dem Baudezernat werden wir alle Theaterinteressierten laufend über das Baugeschehen informieren. Auch ein Blick hinter den Bauzaun wird hin und wieder möglich sein.“

Weitere Informationen erhalten Sie unter
www.theater.wolfsburg.de
www.wolfsburg.de/architektur