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Poetischer Tanz

Bei Shows wie dem Supertalent oder den olympischen Winterspielen waren sie zu sehen: die Luftskulpturen des New Yorker Künstlers Daniel Wurtzel. Eine von ihnen wird nun auch im Rahmen der neuen Phaeno-Sonderausstellung „Luffffft – federleicht und tonnenschwer“ präsentiert: Der zauberhafte Federbrunnen. Beim Aufbau war der sympathische Künstler mit dabei und verriet die poetische Entstehungsgeschichte seines Kunstwerks.

Der Künstler Daniel Wurtzel neben seinem Federbrunnen


Klick, tick, klick ... Wie ein sanfter Regen auf einem Gehweg, fallen die Federn
leise zurück auf die Spiegeloberfläche. Dann werden sie wieder vom Luftstrom erfasst, lösen sich von der Kuppel im Zentrum der Spiegelfläche, fliegen bis ins Tragwerk hinauf und schweben, sich nur leicht um die Spitze drehend, wieder hinab. Das federleichte Spiel wiederholt sich scheinbar endlos, bis sie doch einmal dem Luftstrom entkommen und auf dem Boden landen. Dann müssen sie auf ein Kind oder einen Erwachsenen warten, der, angelockt vom Zauber des Federbrunnens, die Federn wieder zurück in den Kreislauf bringt, so dass der Tanz von Neuem beginnen kann.

So poetisch wie der Federbrunnen selbst ist auch seine Entstehungsgeschichte: Daniel Wurtzel hatte gerade eine Schaffens­phase abgeschlossen und suchte nach neuen künstlerischen Herausforderungen. Es sollte etwas völlig anderes als in seinen vorherigen Projekten entstehen. Da sah er zufällig ein Ahornblatt auf dem Gehsteig tanzen. Es wirbelte über einem Lüftungsschacht der U-Bahn herum. Überrascht und fasziniert starrte er auf das Blatt; die Idee des Federbrunnens war geboren. Einige Zeit später setzte er künstlerisch um, was er da gesehen hatte.

Das Kunstwerk steht im Krater der Sonderausstellung „Luffffft – federleicht und tonnenschwer“, zu der weitere 25 außer­gewöhnliche Luft-Phänomene und Experi­mente gehören. Besucher entdecken in der Ausstellung, die bis zum Februar 2015 zu sehen ist, viele rätselhafte Eigenschaften der Luft. Sie spüren die Kälte des Windes am eigenen Körper, treten beim Armdrücken mit Luft gegeneinander an, fahren mit einem Propellerfahrrad gegen den Wind, segeln wie Münchhausen oder hängen in der Luft, buchstäblich vom Luftdruck getragen. Mit viel Spaß erleben sie, dass Luft nicht „nichts“ ist.

Passend zur Sonderausstellung werden in den Sommerferien verschiedene Aktionen angeboten. Ein Highlight wird die Vorführung der magischen Luftwesen der Firma Festo am Erlebniswochenende „Fliegen und Luft“ am 02. und 03. August sein. Ein Ingenieurteam, das seit Jahren an diesen besonderen Flugobjekten forscht, hat das Aussehen und vor allem die komplexen Flugeigenschaften von der Natur abgeschaut. Ein Pinguin, der sich fast schwerelos im Luftmeer bewegt und eine Libelle, die sehr elegant in alle Richtungen manövrieren kann und sogar auf der Stelle fliegt, werden in einer Show im Wissenschaftstheater vorgeführt. „Die bionischen Flugobjekte bestechen durch die Leichtigkeit der Fortbewegung in der Luft, die technische Feinheit der Steuerung und durch ihr Aussehen. Sie sind einfach wunderschön“, erklärt Davy Champion, der Organisator der Sonderaktionen.
[AB]