Lichter in der Stadt

Im Gespräch mit Stefan Krieger, dem neuen Leiter
des Geschäftsbereichs Kultur zum Artikel

Leicht wie Seide, wild wie Brel

Text: Marc Halupczok
Foto: Jim Rakete

Das Theater Wolfsburg und der Congresspark üben den Schulterschluss, um zusammen rund 550 Veranstaltungen pro Jahr über oder besser: auf die Bühne zu bringen.

Walter Sittler entführt ins Leben Erich Kästners

 
Das Publikum nimmt die neue Spielstätte im Congresspark, die während des Umbaus des Scharoun-Gebäudes genutzt wird, sehr positiv an. Dafür erwartet die Zuschauer in den nächsten Monaten einmal mehr ein mit speziellen Auftritten ausgewähltes Programm.

In den letzten Monaten herrschte große Spannung hinter den Kulissen des Theaters. Wird es tatsächlich möglich sein, den kompletten Spielbetrieb in den Congresspark zu verlegen? Und werden die Zuschauer den Umzug mitmachen oder sich anderen Veranstaltungsorten zuwenden? Jetzt, im Herbst 2014, kann man mit Sicherheit sagen, dass das Experiment funktioniert hat und alle mit der Zwischenlösung (bis November 2015) zufrieden sind.

»Kein anderer Ort hätte die
Masse an Veranstaltungen so
gut aufnehmen können.«

Allerdings gab es in Wolfsburg auch keine Alternative zum Congresspark; kein anderer Ort hätte die Masse an Veranstaltungen so gut aufnehmen können. Ganz ohne Umbaumaßnahmen ging es aber selbst hier nicht. Die „Blackbox“ bekam eine eigene Bühne, die im großen Saal drei Meter in die Tiefe gebaut und mit einem Vorhang versehen wurde. Es blieben die logistische Herausforderung bei rund 300 Veranstaltungen des Theaters und 250 des Congressparks. Rainer Steinkamp, Intendant des Theaters und Geschäftsführer beider Häuser, erledigte diese Aufgabe gemeinsam mit den Personalteams der Einrichtungen, so dass sich die Zuschauer trotzdem auf neue kulturelle Highlights freuen können.

So gibt sich der Schauspieler Dominique Horwitz am 17. November 2014 ein letztes Mal mit seinem seit vielen Jahren gefeierten Brel-Abend die Ehre. Der Mime mit französischen Wurzeln interpretiert die Chansons von Jacques Brel (1929- 1978) mit Liedern wie „Amsterdam“ oder „Madeleine“.

Rund einen Monat später, am 19. Dezember 2014, gastiert Walter Sittler in Wolfsburg. In „Prost, Onkel Erich! Oder: Vom Kleinmaleins des Seins“ erzählt der Schauspieler den zweiten Teil der Lebensgeschichte Erich Kästners. Gemeinsam mit sechs Musikern entführt er uns ins Jahr 1919, wo sich Kästner, wie alle Deutschen, durch das vom Krieg ausgezehrte Land kämpfen muss. Er beginnt sein Studium, erinnert sich an Weihnachtsabende mit der Familie und erzählt Anekdoten aus seinem Leben.

Am 15. Januar 2015 präsentiert der Schauspieler Joachim Król eine szenische Lesung mit musikalischer Untermalung. Das Buch „Seide“ von Alessandro Baricco wurde im Jahr 1996 veröffentlicht und zum Welterfolg. Es handelt von einem französischen Seidenimporteur aus dem 19. Jahrhundert, der sich auf seiner jährlichen Reise nach Japan in eine Einheimische verliebt. Kritiker bemerkten, dass Bariccos Schreibstil ebenfalls leicht wie Seide wäre. Król interpretiert den Text gemeinsam mit dem South of the Border Jazztrio.

Auch musikalisch, aber heiterer, wird es am 12. Februar, wenn der Kabarettist Hagen Rether mit seinem Programm „Liebe“ in der VW-Stadt vorbeischaut. Rether liebt es, bei seinen Auftritten am Klavier zu sitzen, mal derbe, mal tiefsinnige Anregungen zu geben und auch immer ein bisschen das Gewissen der Nation zu spielen.

Ebenfalls zu den besten seines Fachs zählt der Kabarettist Emmanuel Peterfalvi, den die meisten unter seinem Pseudonym Alfons und mit Puschelmikrofon in der Hand kennen dürften. Der gebürtige Franzose hat sich eine der härtesten Aufgaben überhaupt gestellt. In seinem Programm „Mein Deutschland“ versucht er, das Land, in dem er sich seit vielen Jahren aufhält, zu verstehen.

Und es bleibt französisch: Am 22. April 2015 tragen der Schauspieler Christian Redl und der Musiker Vlatko Kucan gemeinsam mit einem Musikensemble Gedichte des französischen Literaturgiganten Charles Baudelaire (1821-1867) vor.

Am 4. Mai 2015 heißt es dagegen ganz explizit: „Keine Kunst“! Die beiden ungleichen Kabarettisten und Musiker Michael Frowin und Thomas Quasthoff nehmen in ihrem ersten gemeinsamen Programm den ach so hehren Kunstbegriff auseinander, schreiben Gedichte von Schiller um, singen ein Hohelied auf die Bratwurst und fassen Goethes „Faust I“ in drei Minuten zusammen. Lehrreich und lustig!

Wie man also sieht, ist auch in der Umbauphase für ein abwechslungsreiches Programm gesorgt – den Zuschauern bleibt die anspruchsvolle Theater-Kultur erhalten.

Weitere Informationen erhalten Sie unter
www.theater.wolfsburg.de