Vielfalt leben

Ein Gespräch mit Sylvia Cultus, Leiterin
des Integrationsreferates zum Artikel

Mut zur Farbe

Einmal im Monat lädt die Städtische Galerie Wolfsburg große und kleine Künstler zum kreativen Miteinander ein. Wir haben über das Angebot des Offenen Ateliers mit der stellvertretenden Direktorin Brigitte Digel gesprochen.
Text: Inga Lorenz   Foto: Ali Altschaffel

 
Wäre es nicht schön, einen Abstecher in die Vergangenheit zu machen und sich an die Maltische und Zeichenblöcke seiner Kindheit zu setzen? Ohne Zwang mit bunten Farben drauflos zu pinseln und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen? Das Offene Atelier im Schloss Wolfsburg unter der Leitung von Elke Schulz und Ina Hengstler macht es möglich. Jeden dritten Sonntag im Monat öffnet die Städtische Galerie von 14.00 bis 17.00 Uhr ihre Pforten und lädt zum Malen, Zeichnen und Kreativsein ein.

Entstanden ist das Offene Atelier aus der Malschule „Pinselstrich“. Diese war ursprünglich nur für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen worden. „Wenn wir dann aber im Sommer bei gutem Wetter mit unseren Staffeleien und Paletten nach draußen in den Schlosspark gegangen sind, kamen immer wieder Eltern und Erwachsene auf uns zu, die Lust hatten mitzumachen“, so Brigitte Digel. Also wurde das Format geändert – und die Idee fürs Offene Atelier war geboren. Ein offener Raum, der kreative Begegnungen ermöglicht, und zwar für alle Altersklassen. „Wir sind keine Schule und beurteilen die Werke nicht, alle sind bei uns gleich viel wert. Vielmehr soll die freie Atmosphäre und die Tatsache, dass unsere Türen jedem offen stehen, transportiert werden“, erklärt Digel. Fernab aller Bewertungen und Kategorisierungen können „die Künstler“ also einfach das zu Papier bringen, was zu Papier gebracht werden möchte. Und das in den wohl schönsten Räumlichkeiten, die Wolfsburg zu bieten hat: in unserem Schloss.

»Wir sind keine Schule und beurteilen die Werke nicht, alle sind bei uns gleich viel wert.«

„Natürlich kann jeder etwas anderes machen. Wir geben nur Ideen. In erster Linie geht es uns aber darum, dass sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in irgendeiner Art und Weise kreativ betätigen, und in der Regel findet da auch jeder seinen eigenen Weg“, sagt die stellvertretende Direktorin der Städtischen Galerie. Und wem es doch mal an Ideen oder Kreativität mangelt, dem stehen die Kunstpädagoginnen Elke Schulz und Ina Hengstler beratend zur Seite und geben professionelle Anleitung. Außerdem beginnt jedes Offene Atelier mit einer kleinen Führung durch eine der aktuellen Ausstellungen. Davon können sich alle inspirieren lassen und sich die ersten Ideen holen.

Die Zeit im Offenen Atelier und des damit verbundenen Kreativseins kann eine Menge bewirken. „Wir gehen davon aus, dass man immer anders weggeht, als man gekommen ist. Es lässt sich zwar nicht messen, was gemacht oder geleistet wurde, aber man erlebt eine Vielfalt von Dingen, die sich verknüpfen und die man häufig auch erst viel später erkennen oder erfahren kann“, berichtet Frau Digel überzeugt. Und das Offene Atelier könnte noch weitaus mehr bewirken. „Aktuell entwerfen wir auch Konzepte für Flüchtlinge. Es wäre ein weiterführendes Ziel, dass auch Menschen zu uns kommen, die bisher in Wolfsburg nicht so viele Kontakte haben. Denn das Netzwerken mit Hilfe der Kunst funktioniert sehr gut. Gerade gestern war eine Familie aus Lissabon hier, die Kontakte knüpfen konnte.“ Ein Hinweis, der sich zu verbreiten lohnt. Und zum Schluss noch ein kleiner, aber nicht ganz unwichtiger Tipp von Frau Digel: „Wer bei uns mitmachen möchte, sollte besser nicht in seinen Sonntagsklamotten kommen, denn es könnte bunt werden.“ Na dann: Mut zur Farbe!

________________________________
Die Veranstaltung ist kostenlos und für jede Altersgruppe geeignet. Das Material wird von der Städtischen Galerie Wolfsburg gestellt.

Weitere Informationen unter
www.staedtische-galerie-wolfsburg.de