Vollstark

Im Gespräch mit Max Müller über Punk,
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Lasst die Puppen tanzen

Text: Annette Siemer
Foto: Ali Altschaffel

Zum vierten Mal entführen die „Puppen“ ihre Zuschauer in eine Welt der Fantasie, die sie sich selbst kreieren.

Monika Kiekenap-Wilhelm vom Kulturwerk mit Andrea Haupt und Brigitte van Lindt von der Wolfsburger Figurentheater Compagnie

 
Jetzt ist pure Spielfreude angesagt! Weg mit den Fesseln der Vernunft, hinein in die faszinierende, vielgestaltige und inspirierende Welt der Gaukler, Gnome und Giganten, die sich beim 4. Internationalen Figurentheaterfestival in Wolfsburg den Besuchern eröffnet.

Das Veranstaltungsprogramm, das die künstlerischen Leiterinnen des Festivals, Brigitte van Lindt und Andrea Haupt von der Wolfsburger Figurentheater Compagnie, zusammengestellt haben, ist – wie immer – unglaublich facettenreich. Mit einer kleinen Änderung: Diesmal erhielten sie Unterstützung vom städtischen Kulturwerk. „Ein Teil der Vorstellungen sind kostenlos, so dass alle Wolfsburger daran teilhaben können“, sagt die Leiterin des Kulturwerks, Monika Kiekenap-Wilhelm. „Das ist ein wichtiger Ansatz, den das Kulturwerk verfolgt. Wir bieten Kultur für jeden Wolfsburger.“

Auch inhaltlich gibt sich das Figurentheaterfestival ganz ohne Einschränkungen. „Wir zwängen uns in kein thematisches Korsett, sondern zeigen die ganze Bandbreite dieser Kunstform“, sagt Andrea Haupt. Entsprechend vielfältig ist das Programm. „Von rollenden Raumraketen über lebendige Rüssel bis hin zu herzzerreißenden Liebesgeschichten“, bringt es Monika Kiekenap-Wilhelm auf den Punkt.

23 Ensembles aus vier Nationen, mit 37 Aufführungen für Groß und Klein in zehn Tagen – die brauchen Platz und den bekommen sie. Denn das Festival findet nicht nur in der Bollmohr-Scheune, in der Innenstadt und entlang der Porschestraße statt. Auch der Schlosspark und das Phaeno werden zur Bühne. Brigitte van Lindt und Andrea Haupt haben neue, interessante Ensembles aufgetan, aber auch die Klassiker mit ins Programm genommen. Wie der große Umzug der Gaukler, Gnome und Giganten durch die Stadt.

»Das gibt ein Stück
Kindheit zurück.«

An dem bunten Treiben nehmen unter anderem die Wolfsburger Maskottchen Wölfi (VfL), Foxi (VfB Fallersleben), und Wolle Wolfsburg (Kinderbetreuungsangebot der Stadt) teil, gefolgt von den Spacecruisern des holländischen Abacus Theaters, der historischen Kostümgruppe aus Fallersleben und der Samba-Batucada-Band der Wolfsburger Musikschule, die dem Publikum ordentlich einheizen werden. Die Kombination von internationalen Künstlergruppen und Wolfsburger Akteuren ist dabei Teil der Festival-Philosophie. Auch die Kindergartenkinder dürfen ihr kreatives Potenzial entfalten und den Umzug mitgestalten.

„Mitmachen statt nur konsumieren“ gilt diesmal für Schüler der Laagberg-Grundschule beim „Traum-Zauber-Licht“-Workshop mit Tine Duffing. Mit Schülern der Oskar-Kämmer-Schule haben die Kreativwerkstätten im Kulturwerk bereits im Vorfeld Upcycling-Skultpuren gebaut. Aus leeren Badeschaumflaschen wurden singende Pop- und Opernstars gefertigt, die während des Festivals in einer Ausstellung gezeigt werden.

Klassiker Nummer zwei: Die lange Nacht der Puppen mit dem großen Feuerwerktheater im Schlosspark. Bei „Feuer, Wasser und Posaunen“ geht es um eine dieser durchgeknallten Geschichten mit Vadder und Mudder Schulten. Vadder Schulten, ein leidenschaftlicher Pyromane, will seine überängstliche Gattin mit einem ganz besonderen Feuerwerk überraschen.

„Das Interessante am Figurentheater ist, dass man alles auf der Bühne machen kann, was man will – spielen, tanzen, singen“, sagt Brigitte van Lindt. Eine Kostprobe dieser unbegrenzten Möglichkeiten bieten auch die beiden Musiktheaterinszenierungen. Wer ins „Weiße Rössl“ des Kobalt Figurentheaters Lübeck kommt, der sollte sich stimmlich allerdings wappnen. „Da erwarte ich schon, dass beim ’Weißen Rössl am Wolfgangsee’ auch alle mitsingen“, sagt Monika Kiekenap-Wilhelm lachend. Herrliche Live-Musik wird auch in der kleinen Nachtbar zu hören sein, in der sich gescheiterte Existenzen und lebenssatte Mitbürger mit abgrundtiefer Heiterkeit durch die Höhen und Tiefen des Lebens singen: „Das Leben geht weiter als man denkt“.

Das Wolfsburger Festival ist bekannt für sein hochklassiges Figurentheater, seine spartenübergreifenden Inszenierungen und den Ehrgeiz, dem Publikum immer wieder Neues zu präsentieren – wie etwa „Das Archiv des Weltensammlers“. Wer sich unter die haubenartigen, knalligen Installationen begibt, wird nicht nur selbst Bestandteil der humoristischen Kunstwerke, sondern taucht ein in fantastische Welten, die die Künstler mit ihren Fundstücken herbeigezaubert haben. „Das Figurentheater gibt ein Stück Kindheit zurück und man kann seinen eigenen Kosmos kreieren“, schwärmt Andrea Haupt.

„Gaukler, Gnome und Giganten“
4. Internationales Figurentheaterfestival in Wolfsburg

12. bis 21. September 2014

Alle Termine und weitere Informationen unter
www.wolfsburger-figurentheater.de