Vielfalt leben

Ein Gespräch mit Sylvia Cultus, Leiterin
des Integrationsreferates zum Artikel

Bäume & Alleen

Innenstadt und Umland von Wolfsburg

„Etwa 100 bis 120 Straßenbäume werden in jedem Jahr durch den Geschäftsbereich Grün der Stadt Wolfsburg ersetzt, weil sie eine Gefährdung darstellen bzw. durch Sturm- oder Anfahrschäden zerstört wurden und verschwunden sind. Pflanzzeit ist von November bis in den April.“
Ralph Hartmann / Stadt Wolfsburg, Abteilungsleiter im Geschäftsbereich Grün, 2015
Text: Nicole Froberg   Fotos: Ali Altschaffel

 
1 / Obstbaumweg bei Nordsteimke. Der Blick wandert über die Landschaft zu den Türmen des Industriedenkmals Volkswagenwerk.
2 / Einzelne Solitärbäume mit alten, knorrigen Kronen betonen häufig eine Wegekreuzung, einen Sitzplatz oder Aussichtspunkt.
3 / Straßenbegleitende Bäume zwischen Barnstorf und Nordsteimke.
4 / Neugestaltete Fläche am Ortsrand von Barnstorf in Richtung Waldhof. Bäume auf einer Wiese, ein Weg und ein Bankplatz laden zum Spaziergang ein.
5 / Junge Baumreihe in der Kleiststraße. Die spätere Dichte ist schon zu erahnen.

Manch einem Bewohner ist nicht bekannt, dass mit Bäumen an Straßen in der Landschaft und in der Stadt ein bewusstes Bild geschaffen und erhalten wird. Dafür gibt es zunächst einmal einen historischen Hintergrund: Die Bäume sollten Schutz vor starken Regenfällen oder Wind bieten und im Zeitalter von Pferdekutschen auch den Weg leiten. Gleichzeitig nutzten die Bauern die Ränder der Wege und bewirtschafteten sie mit Obstbäumen, die ihnen zusätzlichen Ertrag brachten.

Heute sollen attraktive Freizeitwege Menschen raus in die umgebende Natur leiten und diese für sie erlebbar machen. Viele Bäume und Freizeitwege werden durch die Stadt Wolfsburg gepflegt. Blickbezüge zu markanten Punkten werden bewusst freigehalten oder als Endpunkt einer Allee betont. Das waren früher häufig Kirchtürme; heute können es auch Hochhäuser oder Industriebauten sein, wie die vier Türme des Volkswagenwerks.

Die Anforderungen an den straßenbegleitenden Baumbestand sind heute nicht unerheblich, allen voran die Bedürfnisse des modernen Verkehrs: Damit auch größere Fahrzeuge unbehindert passieren können, ist auf ganzer Straßenbreite ein lichtes Raumprofil mit einer Höhe von vier Metern einzuhalten. In der Stadt ist schon die Auswahl des Baumes eine kleine Wissenschaft: Zum Beispiel würde die Kastanie mit ihren flachen Wurzeln auf Dauer die Gehwege beeinflussen. Auch das Herunterfallen der Früchte ist ein Problem. Gerade Obstbäume sind nicht gern gesehen, denn sie ziehen in bestimmten Monaten viele Bienen und Wespen an. Generell ist die Lebensdauer eines Baumes an Straßen eingeschränkter. Sie erhalten weniger Wasser und Luft und sind schlechter mit Nährstoffen versorgt. Im Winter macht ihnen das Streusalz zu schaffen, im Sommer die Strahlungshitze des Asphalts.

Bereits im Frühjahr wurde die Kleiststra­ße zwischen Lessingstraße und Robert-­Koch-Platz mit einer Baumreihe im Mittelstreifen völlig neu gestaltet. Kompaktkronige Linden wurden dafür ausgewählt. Das ist ein robuster Baum, der das Stadtklima verträgt.