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Ein Gespräch über den
Literaturkreis Wolfsburg zum Artikel

Traumpaare

Was verbindet den Chevrolet Corvair Spyder mit dem Porsche 911 Turbo und dem 99 Turbo von Saab? Diesen und weiteren Fragen geht die Autostadt in der Ausstellung „Beziehungs-Kisten“ auf den Grund.
Text: Julia Willms   Foto: Nils Hendrik Müller

 
Wie im Verhältnis Mensch zu Mensch gibt es auch in der Geschichte des Automobils viele Beziehungen von Automodell zu Automodell – mal stimmt die Chemie, mal allerdings auch nicht. Das Zeithaus der Autostadt zeigt ab August auf fünf Museums­ebenen die neue Ausstellung mit dem doppeldeutigen Titel „Beziehungs-Kisten“. Präsentiert werden insgesamt 21 automobile Paare und auch einige Trios mit teils offensichtlichen, teils überraschenden Gemeinsamkeiten oder Unterschieden. Die einzelnen Beziehungen lassen sich aus ihrer Herkunft, aber auch aus ihrem innovativen Stellenwert ableiten.

Einer der Höhepunkte der neuen Ausstellung ist die Beziehungs-Kiste dreier Luxusautomobile ihrer Ära: der Bentley 8 Litre von Walter Owen Bentley, der Bugatti Typ 41 Royale aus dem Hause Ettore Bugatti sowie der Rolls-Royce 40/50HP „Silver Ghost“ aus Großbritannien. Alle drei Automobile stehen für den Traum, das ultimative Luxusautomobil zu erschaffen. Noch heute gelten die drei Fahrzeuge als Paradebeispiel für bemerkenswertes Leistungsvermögen und Luxus.

»Die Automobile stehen für den Traum, das ultimative Luxusautomobil zu erschaffen.«

Beziehungs-Kisten gibt es auch in techno­logischer Hinsicht, zum Beispiel in der Geschichte des Abgas-Turboladers im Automobil. Das Zeithaus zeigt die Verbindung jener drei Automodelle, die in der Entwicklung dieser heute weit verbreiteten Leistungsstimulanz die Trendsetter und Vorreiter waren. Der Verdienst, als Erste Turbolader im Personenwagen verwendet zu haben, gebührt den Ingenieuren von General Motors. Bereits 1962 setzten die Amerikaner Abgas-Turbinen zur Leistungssteigerung zweier unterschiedlicher Motoren ein. Doch wegen der extremen Störanfälligkeit des noch unausgereiften Systems und des schwächelnden Absatzmarkts stoppte Generals Motors bereits nach zwei Jahren den Bau des Chevrolet Corvair Monza Spyder. So blieb es Porsche und Saab überlassen, die heute verbreitete Turbotechnik zur Reife zu entwickeln – und dies mit unterschiedlichem Ansatz. Während Porsche wie im Rennfahrzeug Höchstleistung anstrebte, ging es Saab um möglichst viel Drehmoment im Vierzylinder aus einem relativ kleinen Hubraum. So katapultierte sich Porsche 1975 mit dem 911 Turbo in die Top-Kategorie der Super-Sportwagen. Und Saab bot ab 1977 mit dem 99 Turbo das erste Großserienauto mit funktionstüchtigem Turbomotor im Sinne der heute aktuellen „Downsize-Technologie“ an. Beide Konzepte hatten Vorbild-Charakter. Heute kommt kaum ein Hochleistungssportwagen ohne Turbolader aus.

Wie aber war das mit der Beziehungs-Kiste Alfa Romeo Alfasud und DeLorean? Bei­de verdanken ihre Linienführungen Gior­getto Giugiaro, dem „Designer des 20. Jahrhunderts“ und Gründer des Designstudios Italdesign. Eine „Wahlverwandtschaft“ verbirgt sich hinter dem Automobil-Duo Isabella von Borgward aus Bremen und dem Münchener BMW 1500. Die Verbindung dieser beiden Modelle begründet sich auf dem Schicksalsjahr ihrer Hersteller, nämlich 1961. Während Borgward 1961 Insolvenz anmeldete, übernahm BMW mit dem Typ 1500 im selben Jahr das Isabella-Konzept einer sportlich-luxuriösen, technologisch ambitionierten Mittelklasse-Limousine. Viele Attribute des 1500 wie Hubraum, Leistung und Einzelradaufhängung entsprachen dem Isabella TS-Muster – ganz neu war also der als „Neue Klasse“ kommunizierte Münchner 1961 keineswegs. Weitere Beziehungs-Kisten – beispielsweise die des Golf Cabriolet und des Golf Country von Volkswagen – können sich Gäste der Autostadt im Zeithaus ansehen.

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Öffnungszeiten: täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt mit einer Tages- oder Jahreskarte der Autostadt in Wolfsburg


Weitere Informationen unter
www.autostadt.de