Die Kunst, Welten zu entdecken

Im Gespräch mit Dr. Ralf Beil, dem neuen Direktor
des Kunstmuseums Wolfsburg zum Artikel

Von der Hartfaser zu den Sternen

Text: Christiane Heuwinkel

„Deutschlands scheuester Künstler“ nannte die BILD-Zeitung Imi Knoebel in ihrem großen Vorbericht zur Werkschau des Künstlers im Kunstmuseum. Und im Interview, das der zurückhaltende Künstler für den Katalog gab, schickte er voraus: „Freiwillig sag ich sowieso nichts!“

Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966-2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg, Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

 
Doch trotz seiner grundsätzlichen Zurückhaltung in den Medien wird Imi Knoebel als einer der konsequentesten Maler der Abstraktion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hoch geschätzt. Seit den 1960er-Jahren folgt er dem Weg, den ihm die Künstler der gegenstandslosen Malerei und des Konstruktivismus gewiesen hatten.

Insbesondere Kasimir Malewitsch, der mit seinem „Schwarzen Quadrat auf weißem Grund“ um 1915 die Kunstgeschichte vom Kopf auf die Füße gestellt hatte, war und ist sein Fixstern. So wandte sich der junge Künstler den materialen Grundlagen der Malerei zu und erforschte ihr Grundvokabular: Farbe, Form, Leinwand, Keilrahmen. Entsprechend sind die frühen Arbeiten des Künstlers ästhetisch sehr zurückhaltende, geradezu philosophische Überlegungen dazu, was denn ein Bild ausmacht. Knoebels „Quadrat“ von 1966 arbeitet etwa mit unbemaltem Leinen auf dem Keilrahmen, das im Verlauf der Jahrzehnte vergilbte und verstaubte. Von der äußersten Reduktion, einem Minimalismus der Formen und Materialien, geht der Künstler seit der Jahrtausendwende zu einem ästhetischen Maximalismus über, der sich in großformatigen Werken von reicher Formen- wie Farbenvielfalt zeigt.

Imi Knoebel inszenierte seine Ausstellung, wie er selbst sagte, als „ein Bild“, als ein Gesamtkunstwerk. Drei diagonale Wände erzeugen „Straßen“, in denen die Betrachter flanieren und sich auch verlaufen können. Dabei ist die erste „Straße“ den reduktionistischen Anfängen gewidmet und endet mit dem legendären „Raum 19“, den Imi Knoebel noch an der Kunstakademie Düsseldorf schuf. Die beiden weiteren „Straßen“ in der Ausstellung lassen Knoebels Entdeckung der Farbe in seinem Œuvre erlebbar werden: Immer farbgewaltiger und auch vielteiliger wird seine auf Aluminium gearbeitete großformatige Kunst. Von diesen mit geschichteten Aluminiumprofilen konstruierten Werken führt der Weg des Künstlers – und auch der des Besuchers – weiter zu der neuesten Serie des Künstlers, den „Asteroiden mit gespaltener Persönlichkeit“. Sie sind nicht zufällig in großer Höhe gehängt, so dass der Betrachter sie am besten von der Empore aus erleben kann. Imi Knoebels Weg führt uns von der Hartfaser zu den Sternen.

Imi Knoebel. Werke 1966-2014
bis 15. Februar 2015
Real-Surreal. Meisterwerke der Avantgarde-Fotografie
bis 06. April 2015

Weitere Informationen finden Sie unter
www.kunstmuseum-wolfsburg.de