Ein Kinderspiel

Im Gespräch mit Brigitte van Lindt und Andrea Haupt
über 25 Jahre Figurentheater zum Artikel

Achtung Kunst

In Wolfsburg gibt es über 250 Kunstwerke im öffentlichen Raum, darunter Brunnen, Denkmäler, Statuen, Wandbilder und Installationen, die als Spielmodul auf Spielplätzen dienen. All diese Objekte sind katalogisiert und werden vom Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) gepflegt, gesichert und installiert. Darüber hinaus sollen die Kunstwerke und Denkmäler nicht nur bewahrt, sondern auch bekannt gemacht werden.
Text: Anna Deileke   Fotos: Ali Altschaffel

oben: Steffi Crain vom IZS am Kunstobjekt „Giraffe“ links: „Blaue Pappeln“ im Schlosspark rechts: Zwangsarbeiterdenkmal am Sara-Frenkel-Platz

 
Ein junges, aber schon recht bekanntes Objekt steht an der Braunschweiger Straße zwischen Planetarium, Tankstelle und Fußgängerzone: eine große, weiße Giraffe. Ein Kunstobjekt, dem sich niemand entziehen kann, der an ihm vorbeikommt. Es polarisiert: Warum eine Giraffe? Hätte es nicht ein Wolf sein müssen? Warum so groß und warum weiß? Alles Fragen, die seit der Errichtung 2009 gestellt wurden. „Das ist das schöne an Kunst im öffentlichen Raum“, sagt Steffi Crain. Sie ist verantwortlich für die Betreuung der öffentlich zugänglichen Kunstobjekte in Wolfsburg. „Diese Art der Kunst steht vor deiner Nase und gefällt dir, stört dich oder fällt erst auf den zweiten Blick auf. Kunst lässt Interpretationsspielraum und muss nicht immer erklärt werden. Trotzdem gibt es zu fast allen Werken eine Geschichte.“

Diese Geschichten werden im IZS aufgearbeitet und dokumentiert. So wurden beispielsweise 1988 vom Fotografen Klaus Gottschick im Stadtwald historisch wertvolle Buchen entdeckt, die Wörter und Zeichen kyrillischer Schrift aufwiesen und von ehemaligen sowjetischen Zwangsarbeitern Ende des Zweiten Weltkrieges in die Rinden geritzt wurden. Um diesen Teil der Stadtgeschichte zu erhalten, wurde Ende der 90er-Jahre eine der Buchen konserviert und in Bronze gegossen. Das Zwangsarbeiterdenkmal am Sara-Frenkel-Platz erinnert seither an die Geschehnisse von damals.

Nicht immer fällt Kunst im Stadtbild auf, oft gehört sie ganz unbewusst zum täglichen Bild der Menschen, die sich in der Stadt bewegen und leben. „Das ist charakteristisch für Objekte im öffentlichen Raum. Diese Art von Kunst findet nebenbei statt, im Vorbeigehen“, erklärt Steffi Crain. „Diese Wahrnehmung verändert sich im Laufe der Zeit. In der Kindheit wirkt ein Kunstwerk anders als im Erwachsenenalter.“

»In der Kindheit wirkt ein Kunstwerk anders als im Erwachsenenalter.«

Seit 2011 kümmert sich Steffi Crain um diesen Bereich. Ihre Aufgabe ist es, die Kunst zu pflegen und zu erhalten, aber auch neue Objekte zu installieren. „Gerade haben wir die Blauen Pappeln im Schlosspark restauriert. Sie strahlen nun wieder in sattem Blau“, so Crain. Die Entscheidung, was in der Stadt präsentiert wird, liegt aber nicht in ihren Händen. „Ich berate und führe mit Hilfe von Partnern und Künstlern aus. Entscheidungen zu Ankäufen trifft der Kunstbeirat der Stadt Wolfsburg, ein Gremium, das an den Kulturausschuss angegliedert ist und aus Kunstexperten und Politikern besteht.“

Ein recht junges, aber spannendes Projekt, das Crain betreut, ist der Ideenwettbewerb „KIS – Kunst im Stadtbild Wolfsburgs“. Damit richtet sich das IZS an Studierende und AbsolventInnen der Fachrichtung Freie Kunst und andere Kunst-Studiengänge mit Schwerpunkt „Kunst im öffentlichen Raum“ an deutschen Hochschulen. Geboten wird die Möglichkeit, Ideen für Projekte zur Kunst im Stadtbild von Wolfsburg vorzuschlagen. „Damit kommen wir unserer Aufgabe nach, auch junge KünstlerInnen zu fördern. Diese Initiative entstand im Rahmen des Kulturentwicklungsplans für Wolfsburg.“ Ende September entscheidet eine Jury über die Einsendungen. Die beste Idee wird prämiert und ausgestellt

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› Preisverleihung / Ausstellungseröffnung „KIS – Kunst im Stadtbild Wolfsburgs“
30. Oktober 2015. Ausgestellt werden die nominierten Ideen in den Räumlichkeiten
des italienischen Kunstvereins CreARTE im Schachtweg.

Weitere Informationen unter
www.wolfsburg.de/kultur/kunst/kunst-im-stadtbild