Im Nebel

Ein Gespräch mit Frank Rauschenbach,
Geschäftsführer des Hallenbades zum Artikel

Wolfsburger aus aller Welt

 
Helena Holldack / 35 Jahre /
Musiklehrerin / Heiligendorf / aus Minsk, Weißrussland

Wo kommen Sie her?
Ich komme aus Minsk, der Hauptstadt Weißrusslands.

Und was machen Sie hier?
Ausgebildet bin ich als Musiklehrerin. Ich habe die Universität mit diesem Schwerpunkt abgeschlossen, arbeitete vor meinem Umzug nach Deutschland auch an einer Grundschule in Gomel, südlich von Minsk. Dort unterrichtete ich Musik und Klavierspielen. Seit 2002 lebe und arbeite ich freiberuflich in Wolfsburg.

Wieso sind Sie hierher gekommen?
Meine Familie hat multikulturelle Wurzeln und so bin ich schon immer offen für neue Länder und Kulturen gewesen. Deutschland wählte ich ganz bewusst, da ich neugierig war, was sich hinter diesem Land verbirgt. Anfangs verfolgten mich einige Sorgen, schließlich ließ ich Familie und Arbeit in der Heimat. Die Frage, ob ich das Richtige tue, kreiste in meinem Kopf. Letztlich wurde ich nicht enttäuscht und bin hier in Wolfsburg angekommen.

Was schätzen Sie an Wolfsburg?
Wolfsburg ist eine schöne, junge, freche Stadt mit viel Potenzial und Ausbaumöglichkeit. Die Stadt entwickelt sich ständig weiter, während andere Städte stehenbleiben.

Wenn Sie die Augen schließen und an Wolfsburg denken – was sehen Sie?
Mir schießen sofort das Schloss Wolfsburg und die vier Türme vom VW-Werk in den Kopf. Ein Stück alte und neue Geschichte verbinden sich hier zusammen zu einem tollen Bild.

Gewissensfrage: Welches Auto fahren Sie gerade?
Einen dunkelblauen Volkswagen Beatle, Baujahr 2005. Er hat auch einen Mädchennamen: Molly. Als ich das Auto sah, schaute es mich an und sagte: „Nimm mich.“ Bis dahin war ich immer zu Fuß unterwegs gewesen. Aber dennoch fahre ich weiterhin auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Was machen Sie am Wochenende?
In Wolfsburg kann man wunderbare Plätze zu Fuß erreichen. Ich mag es die Stille zu genießen, spazieren zu gehen und alles um mich herum zu vergessen. Das kann ich auch beim Musikhören, weil es mit viel Bewegung und Leben gefüllt ist. Mein Vater war Schauspieler und wahrscheinlich habe ich von ihm die Liebe zu Theater, Musik und Lachen. So stieß ich auf das Tanzende Theater Wolfsburg, einen Ort mit familiärer Atmosphäre, Verbundenheit und Hilfsbereitschaft. Wir tanzen klassisch, modern und mit viel Kraft. Jeder Unterricht wird von Daniel Martins mit viel positiver Energie und Lachen begleitet.

Haben Sie sonst noch was?
Vielen fällt Menschlichkeit, Offenheit und Freude schwer. Die Menschen rennen von einem Termin zum nächsten, bleiben aber nie stehen, um einander einmal anzulächeln oder anzusprechen. Das ist so schade, denn in Wolfsburg trifft man an manchen Tagen einen Menschen mehrmals und spätestens beim dritten Mal habe ich das Bedürfnis „Hallo“ zu sagen. Wir sollten genau das versuchen, um unseren Alltag noch schöner zu gestalten. Daraus könnte sich ein stärkeres „Wir-Gefühl“ und Gruppenzusammenhalt in unserer Gesellschaft entwickeln.

Foto: Tatjana Butschik