Der eigenwillige
Herr Schneider

Ein Gespräch mit Christian Schneider, dessen Vater eine der größten 35mm-Filmsammlungen in deutscher Sprache zusammengetragen hat zum Artikel

WOLFSBURGER IN ALLER WELT

Foto: privat

 
Name: Svenja Rokitta
Beruf: Studentin
Stadt: Berlin
Land: Deutschland

Wo stecken Sie gerade?
Ich stecke in Berlin, genauer in Friedrichshain, also im ehemaligen Ostberlin. Das erkennt die westliche Nase direkt am ungewohnten Geruch der Kohleöfen, der durch die Straßen weht. Mit denen wird hier zum Teil noch immer geheizt, zum Beispiel bei mir zu Hause.

Was machen Sie dort?
Ich studiere hier im Master an der Technischen Universität. Der Studiengang heißt „Geschichte und Kultur der Wissenschaft und Technik“. Konkret beschäftige ich mich aber mit etwas (fast) ganz anderem, nämlich mit Sound-Philosophie, Cyberculture und Virtualität. Das klingt erstmal irgendwie nach Computerspielen, dabei bin ich hauptsächlich damit beschäftigt theoretische Texte über Musik, Sound und die unterschiedlichen Wahrnehmungsformen zu lesen und zu schauen, wie sich unsere Kultur durch Medien und Digitalisierung generell verändert. Hin und wieder wird dann im Seminar aber auch mal ein Lady Gaga-Auftritt angeschaut oder selber mit Musik-Software experimentiert. Auf jeden Fall ist es sehr interessant und ich bin schon ein bisschen traurig, dass jetzt mein letztes Studienjahr beginnt.

Seit wann sind Sie dort?
Seit zwei Jahren mittlerweile. Im Februar 2011 bin ich hergezogen.

Warum sind Sie dort?
Zuerst hatte ich gar nicht vorgehabt so richtig nach Berlin zu ziehen. Zunächst brauchte ich nur ein wenig Abwechslung vom kleinen beschaulichen Lüneburg, wo ich vorher studiert hatte. Die Idee war, meine Bachelorarbeit in Berlin zu schreiben und dann für den Master wieder wegzuziehen. Irgendwie bin ich dann aber doch hängengeblieben und wollte mich (trotz Kohleofen) noch nicht von meiner WG trennen.

Was vermissen Sie an Wolfsburg?
Das Gefühl, mich überall in der Stadt gut auszukennen, die Möglichkeit, innerhalb weniger Minuten irgendwo im Grünen oder im Wald zu sein und einfach mal keine Menschenseele zu sehen. Berlin fühlt sich da oft sehr überfüllt an, gerade über die Warschauer Brücke schieben sich jeden Morgen und Abend so viele Leute, dass das unheimlich stressen kann. Auch die kurzen Wege vermisse ich an Wolfsburg. Zur Schule bin ich damals kaum zehn Minuten mit dem Rad gefahren, hier brauche ich zur Uni 45 Minuten mit der U-Bahn.

Wenn Sie die Augen schließen und an Wolfsburg denken – was sehen Sie?
Zuallererst die Türme der Autostadt und die vier Schornsteine des VW-Werks, die fühlen sich für mich ähnlich wie in Berlin der Alex ganz stark sofort nach „zu Hause“ an. Außerdem sehe ich natürlich die Orte, an denen ich früher die meiste Zeit verbracht habe: die Eishalle, das Hasselbachtal, das Ratsgymnasium (nächstes Jahr ist mein Abi schon erschreckende zehn Jahre her!).

Gewissensfrage: Welches Auto fahren Sie gerade?
Gar keins, den Umzug nach Berlin hat mein VW Fox noch mitgemacht. Jetzt benutze ich fast ausschließlich U- und S-Bahn.

Wie oft sind Sie noch hier?
Meine ganze Familie wohnt in Wolfsburg, daher bin ich eigentlich relativ oft da. Zu den meisten Feiertagen und Familiengeburtstagen bin ich in der Stadt. Wie es im Kunstmuseum mal so schön an der Wand geschrieben stand (und vielleicht immer noch steht), ist Berlin ja auch „nur einen Steinwurf entfernt“.