Der eigenwillige
Herr Schneider

Ein Gespräch mit Christian Schneider, dessen Vater eine der größten 35mm-Filmsammlungen in deutscher Sprache zusammengetragen hat zum Artikel

WOLFSBURGER AUS ALLER WELT

Foto: Thomas Kubiczek

 
Name: Muzhgan Schaffa
Beruf: Pädagogische Mitarbeiterin und nebenbei Schriftstellerin
Ort: Detmerode
Herkunft: Afghanistan

Wo kommen Sie her?
Ich komme aus Kabul in Afghanistan.

Und was machen Sie hier?
Ich lebe hier mit meiner Familie. Vor einigen Jahren habe ich an einer Qualifizierung zur Integrationslotsin teilgenommen und war später Teilnehmerin des Projekts „Lernhaus der Frauen“. Darüber hörte ich auch vom Stadtteilmütterprojekt. Daran habe ich dann erfolgreich mitgewirkt. Mittlerweile bin ich als pädagogische Mitarbeiterin im Ganztagsbereich der Laagbergschule tätig und habe sehr viel Freude an der Arbeit mit den Kindern oder dem Elterncafé, das ich auch anbiete. Eigentlich bin ich ja Schriftstellerin. Und da diese Profession auch meine Herzensangelegenheit ist, veröffentliche ich nebenbei meine Gedichte in meiner Muttersprache Farsi im Iran und in Afghanistan, aber auch in Deutschland. Manchmal organisiere ich literarische Abende mit anderen Schriftstellern, zum Beispiel mit Unterstützung der Stadtbibliothek in deren Räumen.

Seit wann sind Sie hier?
Ich bin 2003 nach Wolfsburg gekommen.

Wieso sind Sie hergekommen?
In Afghanistan war es unter den Taliban sehr schwer zu leben. Deshalb bin ich mit meiner Familie geflüchtet.

Was schätzen Sie an Wolfsburg?
Wolfsburg ist eine grüne Stadt, eine interkulturelle Stadt. Wolfsburg gibt mir Hoffnung!

Wenn Sie die Augen schließen und an Wolfsburg denken – was sehen Sie?
Ganz ehrlich – als ich letztes Jahr nach fast 10 Jahren in Deutschland nach Afghanistan gereist bin, da habe ich Wolfsburg vermisst. Wenn ich meine Augen schließe, dann sehe ich Wolfsburg als meine zweite Heimat, mein Zuhause.

Gewissensfrage: Welches Auto fahren Sie gerade?
Ich fahre einen VW Passat. Gott sei Dank habe ich seit einem Jahr meinen Führerschein.

Was machen Sie am Wochenende?
Ich schreibe oder spiele mit meinen drei Kindern Lotti Karotti. An manchen Wochenenden habe ich Lesungen, zum Beispiel im Café Schrill oder irgendwo rund um Wolfsburg.

Sonst noch was?
Ich würde gern ein Gedicht von mir präsentieren:

Klage!
Wo bist du, o Herr!
Nichts hast du unternommen
gegen die Ungerechtigkeit.
Jahrtausende sind vergangen.
Du aber hast die Unbilligkeit nicht verringert.
Tausende Kinder verlieren ihre Mütter.
Tausende Kinder verkommen.
Ein Mann vergnügt sich mit schönen Frauen.
Tausende Frauen finden nicht ein Zuhause.
Wie willst du mich behüten, o Herr?
Nie hast du auf meine Fragen geantwortet.
Nie bist du aufgewacht.