Schüsselerlebnis

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WOLFSBURGER IN ALLER WELT

Foto: privat

 
Name: Lena Homann
Beruf: Kinder- und Lamahüterin
Stadt: Ibarra
Land: Ecuador

Wo stecken Sie gerade?
Nahe der Mitte der Welt. An einem Ort, an dem der Äquator an sichtbaren Orientierungspunkten, und zwar den Gipfeln der Anden, verläuft. Oder um es ein bisschen verständlicher auszudrücken: in Ecuador.

Und was machen Sie dort?
Ich verbringe mein Freiwilliges Soziales Jahr hier und arbeite in einem Projekt, dass sich „Casas Familias“ nennt. Dort betreue ich Kinder im Alter von 2-16 Jahren, die nicht mehr bei ihren Familien wohnen können. Und wenn ich gerade mal keine Rotzlöffel bändige, dann helfe ich, Kaffee und Kakao zu pflanzen und zu ernten. Beides wird ebenfalls von dem Projekt angebaut.

Seit wann sind Sie dort?
Ich bin seit Ende August hier und erfüllt von den unterschiedlichsten Eindrücken von Land und Leuten.

Warum sind Sie dort?
Für mich stand schon lange fest, dass ich nach meinem Abi­tur erstmal für einige Zeit ins Ausland gehen möchte, um neue Eindrücke zu sammeln und ein bisschen dem theoretischen Gepauke von Schule und dem anstehenden Studium zu entkommen. Mir gefällt es, praktische Lebenserfahrung zu sammeln und zu lernen auf eigenen Füßen zu stehen.

Was vermissen Sie an Wolfsburg?
Besonders vermisse ich es, zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren zu können, ohne Angst haben zu müssen, von dem nächsten knurrenden Straßenköter angegriffen zu werden und stattdessen nur von ein paar Kaninchen begleitet zu werden, die am Straßenrand rumhoppeln. Und Lebensmittel wie gute Schokolade und Pizza. Was man in Deutschland an jeder Straßenecke kaufen kann, scheint hier eine Rarität zu sein.

Wenn Sie die Augen schließen und an Wolfsburg denken – was sehen Sie?
Eine ziemlich turbulente Schulzeit, die durch so einige durchgefeierte Nächte und die ein oder andere nächtliche Badeaktion im Allersee versüßt wurde. Und, na klar: die VW-Currywurst!

Gewissensfrage: Welches Auto fahren Sie gerade?
Abgesehen von den Lamas, die auf der Freizeitanlage meines Projektes stehen, und mit denen man ein bisschen durch die Gegend reiten kann, bewege ich mich hier meistens zu Fuß. Außer natürlich wenn es weitere Strecken sind, dann nehme ich den dortigen Bus. Mit dem kostet eine dreistündige Reise etwa 2,50 Dollar – so viel wie eine Busfahrt von Fallersleben in die Wolfsburger Innenstadt. Dafür sind die Reisebusse hier aber auch nicht von VW.

Wie oft sind Sie noch hier?
Wenn ich nächstes Jahr im August zurückkomme, werde ich die ersten Wochen erstmal bei meiner Familie in Fallersleben verbringen und mich danach zum Studieren in eine andere Stadt aufmachen. Danach werde ich sehen, wie oft es mich noch zurücktreibt. Aber auf jeden Fall für die großen Feste wie Weihnachten und Geburtstage werde ich wohl noch für lange Zeit nach Hause kommen.

Wollen Sie jemals wieder zurück?
Von meinem jetzigen Standpunkt aus muss ich das ehrlicherweise verneinen, dafür gibt es noch zu viele andere schöne Städte in Deutschland, die ich mir genauer angucken möchte. Aber man kann ja nie wissen, wo es einen letztendlich so hintreibt.

Sonst noch was?
Hiermit möchte ich eine ganz feste Umarmung an meine Mutter senden, die mich regelmäßig mit Päckchen aus der Heimat versorgt und den Vorrat an Schokolade und Vollkornbrot in unserer Freiwilligen-WG aufrechterhält. Du bist die Beste!