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1994 Kunstmuseum

Text: Nicole Froberg
Fotos: Ali Altschaffel

„Wir haben bewusst einen Bau gewählt aus Materialien, die dem Produkt Volkswagen entsprechen: Aluminium, Glas und Stahl ...“
Prof. Dr. Carl H. Hahn, 2007, Ehemaliger Vorsitzender
des VW-Vorstands, Initiator des Kunstmuseums

 
Hollerplatz 1
Architekt: Peter P. Schweger, Hamburg

In den 1990er-Jahren erfuhr die „Perlenkette der Kulturbauten“ entlang der sogenannten Koller-Achse zwischen Schloss im Norden und Theater im Süden eine Ergänzung, die den südlichen Stadteingang zwischen Alvar-Aalto-Kulturhaus und Theater neu definierte und ihm einen anderen Maßstab gab. Mit den Materialien Glas, Stahl und Aluminium, dem leichten, luftigen Charakter und den fast verschwenderischen Raumgrößen ist die Architektur des Kunstmuseums ein typisches Kind ihrer Zeit. Am 28. Mai 1994 eröffnete die erste Ausstellung.

Hervorgegangen ist der Bau aus einem Wettbewerb, der 1989 gemeinsam von der neu gegründeten Kunststiftung Volkswagen und der Stadt Wolfsburg ausgelobt wurde. Der Teilnehmerkreis war bundesweit unbegrenzt; insgesamt 96 Arbeiten wurden eingereicht.

Der deutsch-österreichische Architekt Peter P. Schweger, von 1972 bis 2000 Entwurfslehrer an der Universität Hannover, gewann den Wettbewerb mit seinem Konzept einer „Stadtloggia“. Sie sollte alle Nutzungen des Museums unter einem großen Dach vereinen. Mit einer Höhe von 17 Metern und der streng geometrischen Großform dominiert der Bau selbstbewusst seine Umgebung. Die große Halle ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein gelungenes architektonisches Konzept die Nutzung im positiven Sinne beeinflussen kann. Der große Zentralraum mit einer Grundfläche von 40 x 40 Metern wurde zunächst durchaus kritisch gesehen. Doch er hat seither immer wieder Künstler, Kuratoren und Ausstellungsarchitekten motiviert, in anderen Dimensionen zu denken und zu arbeiten. Mit jeder großen Ausstellung erfindet sich der Innenraum neu. Herausragende Kunstwerke wie die begehbare Installation des amerikanischen Lichtkünstlers James Turrell 2009 wurden erdacht. Ein oberer Museumsrundgang mit einer dreiseitig umlaufenden Galerie und eine quadratische Empore leiten den Blick immer wieder ins Zentrum zurück.

Eine komplexe mehrschichtige Konstruktion ist das Mu­seums­dach. Den äußeren Abschluss bildet eine Dachhaut aus doppeltem Glas. Darunter wurde ein damals neuartiger Sonnenschutzraster entwickelt, der nur indirektes Licht zulässt und mit Kunstlicht unterstützt. Aluminiumbedampfte Flächen lenken die direkte Sonneneinstrahlung um bzw. reflektieren sie in den Außenraum zurück.