Das zweitbeste Glück

Gespräch mit Klaus Allofs zum Artikel

1959 Wohnhäuser am Eckernweg

Text: Elisabeth Widel & Nicole Froberg
Fotos: Ali Altschaffel

„Ein wichtiger Treffpunkt für die Frauen der Stadtteile waren die kleinen, an Marktplätzen gelegenen Einkaufszentren. (…) Ein Ehemann vom Eichelkamp kann berichten: ‚Vor allem der Marktplatz, der Dunantplatz, [bot] eine Kommunikationsmöglichkeit. Wenn meine Frau da einkaufen war, kam sie immer gar nicht weg, weil sie ständig Leute traf, die sich mit ihr unterhalten wollten‘.“  
Matthias Brodtmann, „Wohnen in der Wirtschaftswunderzeit“
in: „… erleben, wie eine Stadt entsteht. Städtebau, Architektur und Wohnen in Wolfsburg 1938-1998“

 
Eckernweg 1-5
Eichelkamp
Architekt: Dr. Titus Taeschner, Wolfsburg

Die 1960er-Jahre stellen eine wichtige Bauepoche der Stadt Wolfsburg dar. Der rasante wirtschaftliche Erfolg des Volkswagenwerks löste einen unerwarteten Bevölkerungszuwachs aus. Um den steigenden Wohnbedürfnissen gerecht zu werden, entstanden unter dem Stadtbaurat Peter Koller die Waldsiedlungen Rabenberg, Hellwinkel und Eichelkamp. Um möglichst schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nutzte man rationelle Bauweisen. Merkmale wie flache Dächer, schlichte Geometrien und großflächige Verglasungen auf der Sonnenseite prägen die Siedlungen und lösten die konservativen Gestaltungsformen ab.

Der Entwurf des Wolfsburger Architekten Dr. Titus Taeschner für die Wohnhäuser am Eckernweg im Gebiet Eichelkamp ist ein gelungenes Beispiel der Zeit. Taeschner hatte seit 1938 als Leiter der Hochbauabteilung im Stadtbaubüro, als Peter Kollers Stellvertreter und Personalchef sowie als erster technischer Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Neuland“ an der Umsetzung von knapp 3.000 Wohneinheiten mitgewirkt.

Vier zur Sonne hin ausgerichtete Zeilenbauten sind so versetzt angeordnet, dass jeweils zwei Giebelseiten durch ein gemeinsames Treppenhaus erschlossen werden. Dabei gewähren die gläsernen Verbindungselemente Ein- und Durchblicke in die umgebende Landschaft. Das Zusammenspiel offener und geschlossener Flächen ergibt einen reizvollen Kontrast. Die geschickte Anordnung der viergeschossigen Wohnblöcke bietet auch wirtschaftliche Vorteile. Für die 64 Wohneinheiten werden lediglich fünf Treppenhäuser benötigt. Kleine Stichflure schaffen kurze Wege zu den Wohnungen. Als Konsequenz des Erschließungskonzepts sind die Zeilen ein halbes Geschoss gegeneinander versetzt, was die hölzernen Sockelverkleidungen gestalterisch unterstreichen.

Als besonderes Merkmal der inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Bauten sind die geknickten Stahlbetonplatten der Balkone hervorzuheben. Sie wurden nachträglich um ein Traggerüst aus Stahlstützen ergänzt. Der Flachdachüberstand sowie die außen liegenden Entwässerungsrinnen sind typisch für die 1960er-Jahre.